AhA : Warum steht der Polarstern immer im Norden?

Thomas de Padova

„Der Polarstern ist untergegangen“, schrieb der Naturforscher Adelbert von Chamisso von seiner Weltreise, bei der er 1816 nach Chile gelangt war. Denn von der Südhalbkugel aus sieht man den Nordstern nicht, genauso wenig wie sein Pendant am Südhimmel.

Für Reisende und Seefahrer ist der Polarstern über Jahrhunderte eine wunderbare Orientierungshilfe gewesen. Während alle anderen Sterne im Lauf einer Nacht über den Himmel fahren, weil sich die Erde um ihre Achse dreht, bleibt er an Ort und Stelle. Immer im Norden, wo die verlängerte Erdachse hinzeigt. „Es ist Zufall, dass genau dort ein relativ heller Stern steht“, sagt Siegfried Röser vom Astronomischen Recheninstitut der Uni Heidelberg. „In der Nähe des Südpols findet man keinen so hellen Stern.“

Dem Betrachter fällt auch der Polarstern nicht sofort ins Auge. Man findet ihn am schnellsten von den beiden hinteren Sternen des „Großen Wagens“ aus. Verlängert man ihre Verbindungslinie knapp fünf Mal, gelangt man zum Himmelsnordpol. Das Licht braucht vom Polarstern zu uns etwa 430 Jahre. Stünde dort ein mittelprächtiger Stern wie unsere Sonne, würde man ihn nicht sehen. Der pulsierende Supergigant aber hat eine gut 2000 Mal höhere Leuchtkraft. Wäre die Sonne eine Erbse, der Polarstern wäre so groß wie Fußball. Zwar steht der Polarstern am Himmel fest, aber die Drehachse der Erde bewegt sich wie die eines Kreisels. Das führt dazu, dass der Himmelspol binnen 26 000 Jahren einen kleinen Kreis beschreibt. In 13 000 Jahren wird deshalb der Stern Wega vorübergehend seinen Platz einnehmen. „Wega erscheint noch heller“, sagt Röser. Sie hat zwar nicht die Leuchtkraft des Nordsterns, aber mit 25 Lichtjahren, schlappe 250 Billionen Kilometer, liegt sie in kosmischen Maßstäben gleich um die Ecke. Thomas de Padova

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