AhA : Warum trifft Vögel auf Stromleitungen kein Schlag?

Thomas de Padova

Uhus, Weißstörche, Mäusebussarde. Als es im letzten Mai einen der wenigen Seeadler in Bayern traf, war der Stromtod den Medien mal wieder eine Schlagzeile wert. Wie viele Vögel den Leitungsnetzen zum Opfer fallen, ist unklar. Das Seltsame: Normalerweise können die Tiere auf Hochspannungskabeln sitzen, ohne dass ihnen die gigantische Spannung von 380 000 Volt etwas ausmacht.

Hocken sie still auf dem Kabel, fließt der Strom nämlich an ihnen vorbei. Ihr Körper und die Luftstrecken zu anderen Leitungen stellen für wandernde Elektronen einen wesentlich höheren Widerstand dar als der Metalldraht. Für die Ladungsträger ist es also unsinnig, einen Umweg zu machen.

„Trotzdem sitzen Vögel nicht gern auf Hochspannungsleitungen“, berichtet Jiri Silny, Leiter des Forschungszentrums für Elektromagnetische Umweltverträglichkeit der RWTH Aachen. Raben und Stare halten sich von Leitungen mit mehr als 60 000 Volt eher fern. Denn in der Umgebung der Leitungen seien die elektrischen Feldstärken so hoch, dass Vögel sie über ihr Federkleid wahrnähmen. „Die Feldstärken verursachen Vibrationen in den Federn, die auf Sinnesrezeptoren übertragen werden.“ Statt auf Hochspannungskabeln halten sich Vögel eher auf dem darüber laufenden, geerdeten Seil auf, dem Blitzableiter. Des Öfteren sieht man sie auch auf Niederspannungskabeln.

Trotzdem kommen viele Vögel durch das Stromnetz um. Insbesondere nachtwandernde Vögel kollidieren mit den schwer erkennbaren Kabeln. Eine noch größere Gefahr geht von den geerdeten Strommasten aus, die von Störchen oder Greifvögeln als Brutplätze und Sitzwarten genutzt werden.

Beim An- und Abflug können sie über ihre Schwingen oder Nestmaterial in Kontakt mit benachbarten Leitungen kommen. Dann stellt ihr Körper eine Brücke zwischen unterschiedlichen Spannungen dar, über die ein gefährlicher Strom fließt. Selbst ein flüssiger Kotstrahl kann den Mastbewohnern zum Verhängnis werden. Thomas de Padova

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