AhA : Warum trocknet Plastik nicht in der Spülmaschine?

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Was man ehemals nur bei Tupperpartys erwerben konnte, hat sich in den meisten Haushalten wie von selbst vermehrt. Butterdose, Vesperbox, Gefrierbehälter, Twin-Set, mal rund, mal quadratisch. Einiges davon lässt sich platzsparend ineinanderstellen, wenn man die Deckel extra aufbewahrt. Doch ist es ein offenes Geheimnis, dass mit jeder zusätzlichen Dose das Risiko zunimmt, den passenden Deckel nicht mehr zu finden.

Tupperdeckel haben unangenehme Seiten: In ihren Verschlusskanten sammelt sich das Wasser der Spülmaschine wie in einer Regenrinne. Wenn es nicht so viele davon gäbe, würde man die Plastikboxen auch kaum im Geschirrspüler waschen. Denn anders als Porzellan oder Glas trocknet Kunststoff darin ausgesprochen schlecht.

Eine Geschirrspülmaschine geht nach dem letzten Waschgang zunächst zum Klarspülen über. „Der Klarspüler enthält ein Tensid, das sich an die Grenzfläche zwischen Wasser und Geschirr legt“, sagt Rainer Stamminger, Haushaltstechniker an der Universität Bonn. „Das Tensid führt dazu, dass das Wasser entspannt und schneller abläuft, wenn der Sprüharm aufhört zu rotieren.“ Es senkt die Oberflächenspannung.

Auch Wasserinsekten wie Bachläufer machen sich das zunutze. Werden sie von größeren Wasserläufern verfolgt, sondern sie entsprechende Tröpfchen ab, die den Jägern zum Verhängnis werden: Sie gehen unter.

Beim Klarspülen heizt die Maschine das Wasser auf eine Temperatur von 60 bis 70 Grad Celsius. Danach bleibt auf Tellern und Tassen, wie gewünscht, nur ein dünner Wasserfilm zurück. In der anschließenden Trocknungsphase hilft die im Geschirr gespeicherte Wärme, diese Feuchtigkeit nach und nach zu verdunsten. „Da die Luftfeuchtigkeit an den kühleren Außenwänden des Behälters kondensiert, kann die Luft immer wieder neue Feuchtigkeit aufnehmen.“

Nur Plastikteile trocknen kaum. Denn Kunststoff nimmt nur wenig Wärme auf. „Außerdem hat er eine geringe Wärmeleitfähigkeit“, erläutert Stamminger. Ist an einer Stelle der Tupperdose ein wenig Wasser verdunstet, wird keine Wärme nachgeliefert, um diesen Prozess in Gang zu halten.

Ansonsten haben Geschirrspüler gegenüber dem Handabwasch viele Vorzüge, sagt Stamminger. Er und sein Team haben herausgefunden, dass Haushalte mit Geschirrspüler im Durchschnitt 50 Prozent weniger Wasser und darüber hinaus 28 Prozent weniger Energie beim Spülen verbrauchen als solche ohne maschinelle Assistenz.

Die Rechnung geht freilich nur auf, wenn die Maschine nicht halb leer in Gang gesetzt wird. Thomas de Padova

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