AhA : Warum vereist Schnee?

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Viele Berliner Straßen bieten in diesen Tagen ein ähnliches Bild: nadelnde Tannenbäume auf grauen, vereisten Schneehügeln, traurige Hinterlassenschaften einer weißen Weihnacht. Die Bäume haben zahllose Nadeln abgeworfen und auch die ehemals filigranen Schneekristalle haben Nadeln und Spitzen verloren.

Schnee und Eis sind im Grunde dasselbe: gefrorenes Wasser. Sie haben aber ganz unterschiedliche Biografien. Schneeflocken entstehen in der Atmosphäre. Dort schwirren Ruß- und Staubpartikel herum. An diesen Keimen lagert sich Luftfeuchtigkeit an und gefriert. Die kleinen Eiskristalle durchqueren Schichten verschiedener Temperatur und Feuchtigkeit. In feuchter Luft nehmen sie besonders rasch Wassermoleküle auf und wachsen zu bizarren Gebilden mit Säulen, Nadeln und Platten heran.

Nach dem Schneefall bleiben die Flocken scheinbar ruhig übereinander liegen. Doch in jeder Schneedecke tut sich etwas. Der zunächst lockere Schnee, der zu 90 Prozent aus Luft besteht, erlebt zum Leidwesen von Schneeräumern und Skifahrern eine Metamorphose.

Schon der Wind zerlegt fragile Kristalle an der Oberfläche in Fragmente, die zu einer festeren Schneedecke zusammenwachsen. Der darunterliegende Schnee verdichtet sich ebenfalls. An exponierten Stellen, vorzugsweise an den Spitzen der Eiskristalle, verdampfen Wassermoleküle und gefrieren an kühleren Stellen wieder. So verwandeln sich die Flocken in runde Eiskörner – umso schneller, je wärmer es draußen ist. Der Schnee vereist.

Bei klirrender Kälte können Eiskristalle noch größer werden. Das liegt an den großen Temperaturunterschieden, die dann innerhalb der Schneedecke herrschen. Die aus den unteren, wärmeren Schichten verdampfenden Wassermoleküle steigen nach oben und gefrieren dort an kälteren Eiskristallen. Auf diese Weise entstehen in einer bestimmten Tiefe recht große, zerbrechliche Becherkristalle. Eine gefährliche Metamorphose, denn so können ganze Schneeschichten ins Schwimmen kommen und an Berghängen als Lawinen ins Tal abgleiten. Thomas de Padova

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