AhA : Warum welken Blumen in der Vase?

Thomas de Padova

Wenn Rosen oder Gerbera in der Vase nach kurzer Zeit die Köpfe hängen lassen, dann meist wegen Wassermangel. Obschon sie im Wasser stehen, ist die größte Gefahr für Schnittblumen, dass sie verdursten. Und zwar, weil ihre Leitungen verstopfen und sie nicht mehr an das Wasser herankommen.

Blumen geben wie alle Pflanzen ständig Wasser über ihre Blätter an die Umgebungsluft ab. Durch diese Verdunstung entsteht ein Sog, der neues Wasser über den Stängel nach oben zieht. Die Leitungsbahnen reichen bis in die Wurzeln. Wegen ihrer feinen Verästelungen haben die Wurzeln eine große Oberfläche und saugen viel Feuchtigkeit aus dem Boden. In geringem Maße unterstützen sie die Wasseraufnahme auch aktiv. Ihr eigener Wurzeldruck bewirkt zum Beispiel, dass der Pflanzensaft auch im Frühjahr, wenn noch keine Blätter da sind, nach oben kommt.

Schnittblumen jedoch sind von ihrer natürlichen Versorgung abgeschnitten. Statt des Wurzelgeflechts steht ihnen zur Wasseraufnahme nur ein kleiner Stängelquerschnitt zur Verfügung. „Mit bis zu zehn Bar Unterdruck saugt die Blume wie ein Staubsauger“, sagt Ludger Hendriks, Leiter des Instituts für Gartenbau der Forschungsanstalt Geisenheim. Sie zieht Luft in die Leitungsbahnen, die Gasblasen blockieren den Wassertransport. „Jede Phase, in der die Schnittblume der Luft ausgesetzt wird, ist ein Risiko.“ Man sollte sie deshalb nach dem Einkauf feucht halten, zu Hause neu anschneiden und direkt ins Wasser stellen.

Auch Bakterien setzen die Leitungen zu. Um Mikroorganismen fern zu halten, empfiehlt es sich, Vasen gründlich zu reinigen, keine Blätter im Wasser zu lassen und das Wasser alle zwei bis drei Tage zu wechseln. Im selben Rhythmus kann man die Stängel neu anschneiden. Am besten mit einem scharfen Messer und schräg, sonst werden weiche Stiele wie die einer Gerbera gequetscht und unnötig verletzt – was Bakterien neue Angriffspunkte bietet.

Blumen wie Rosen, die noch aufgehen sollen, zehren von ihren Energiereserven. In der Wohnung fehlt ihnen Sonnenlicht, um selbst Zucker herzustellen. Wer deshalb dem Blumenwasser Zucker zufügt, füttert aber zugleich die Bakterien. „Blumenfrischhaltemittel enthalten neben Zucker auch bakterienhemmende Substanzen“, sagt Hendriks. Damit hält der Geburtstagsstrauß durchaus ein paar Tage länger. Thomas de Padova

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