AhA : Warum werden Spiegel blind?

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Der Zauber des Widerscheins kann Spiegeln mit der Zeit abhanden kommen. Zuerst sieht man nur ein paar schwarze Pünktchen, doch irgendwann ist man gar nicht mehr im Bilde. Was geht da vor? Warum ist der Spiegel kein Spiegel mehr?

Zunächst einmal: Das Spiegelnde ist nicht das Glas. Glas ist durchsichtig. Es reflektiert nur etwa acht Prozent des Lichts. Lediglich am Abend, wenn es hinter der Fensterscheibe dunkel wird, kann man sich im Glas sehen.

„Glas ist ein Isolator“, sagt Norbert Kaiser, Leiter der Abteilung „Optische Schichten“ am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena. „Es leitet den elektrischen Strom nicht, weil es darin keine frei beweglichen Elektronen gibt.“ Anders in Metallen. Dort sind die äußeren Elektronen nicht mit einer bestimmten Energie an ein Atom gebunden, sondern können frei umherschwirren. Daher leiten solche Elektronen den Strom effektiv.

Sie verhindern auch, dass eine elektromagnetische Welle wie das Licht in das Material eindringt: Metalle werfen sichtbares Licht zurück. Sie haben glänzende Oberflächen und eignen sich daher für die Spiegelherstellung.

Silber spiegelt besonders gut. Da es teuer und kratzempfindlich ist, bringt man bei der Spiegelherstellung nur eine hauchdünne Silberschicht von hinten auf eine polierte Glasscheibe auf. Silber muss außerdem vor dem Kontakt mit der Luft geschützt werden. „Sonst reagiert es mit dem Schwefel der Luft zu Silbersulfid“, sagt Kaiser. „Und Silbersulfid ist rabenschwarz.“ Irgendwann jedoch wird jeder schützende Klarlack spröde. Wo er reißt, bekommt der Silberspiegel schwarze Punkte. Mit der Zeit wird er blind.

Eine Alternative besteht darin, auf Aluminium zurückgreifen, das sichtbares Licht ebenfalls gut reflektiert. Aluminium reagiert nicht mit Schwefel, dafür aber mit dem Luftsauerstoff. Die blinden Flecken eines Aluminiumspiegels sieht man kaum. Sie sind nicht schwarz, sondern weiß. Thomas de Padova

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