AhA : Warum wird man nach dem Essen müde?

Thomas de Padova

Der Spanier hält Siesta, in Italien firmiert das Nickerchen unter dem Namen „Pisolino“. Der Mittagsschlaf wird häufig mit dem warmen südeuropäischen Klima in Verbindung gebracht. Vielleicht ist er aber auch Folge des üppigen Essens. Spanier und Italiener frühstücken kaum, tafeln aber mittags in mehreren Gängen – und gönnen sich danach eine Auszeit.

„Ein kurzer Schlaf zur Mittagszeit ist physiologisch sinnvoll“, sagt Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charitè. Danach sei man leistungsfähiger. Denn das Essen und die anschließende Verdauung sind energieaufwendig. Die Nahrung muss zerkleinert, transportiert und chemisch umgewandelt werden.

„Generell kommt es beim Essen zu einer Blutumverteilung.“ Wenn der Speisebrei in Magen und Darm gelangt, wird mehr Blut dorthin gelenkt, etwa um Nährstoffe aufzunehmen und weiterzuleiten. „Dadurch wird das zentrale Nervensystem weniger durchblutet.“ Fettreiche Nahrung verweilt länger im Magen und macht eher müde. Wir können die Mittagsmüdigkeit aber auch dann nicht vermeiden, wenn wir bloß Salat oder ein Sandwich zu uns nehmen.

Forschern gibt das Phänomen Rätsel auf. Warum gähnen wir nicht nach jedem Essen? Warum ist ein spätes Abendessen im Restaurant keine Einschlafhilfe? Offenbar spielen der natürliche Lebensrhythmus und die fein abgestimmten Regelkreisläufe im Körper zusammen. „Wer morgens um 6 Uhr aufsteht, der hat sein erstes Tief zwischen 9 und 10 Uhr, dann zwischen 12 und 14 Uhr und wieder zwischen 16 und 18 Uhr“, sagt Fietze. Isst man in diesen Müdigkeitsphasen, verstärkt das Essen das Ruhebedürfnis.

Auch große Geister wie Albert Einstein brauchten ihren Mittagsschlaf. Ihm genügten allerdings ein paar Minuten: Der Physiker nahm einen Schlüsselbund in die Hand und wachte auf, sobald die Schlüssel zu Boden fielen. Thomas de Padova

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