AIDS : Erklärung für das Versagen eines HIV-Impfstoffs gefunden?

Erfolgloser Impfstoff macht Zellen in Kultur anfälliger für Infektionen.

Erika Check Hayden

Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein experimenteller Impfstoff gegen AIDS teilweise deshalb gescheitert sein könnte, weil er die Immunzellen einiger Menschen anfälliger für eine HIV-Infektion macht.

Das Team unter der Leitung von Eric Kremer an der Universität Montpellier in Frankreich untersuchte, warum Menschen, die an der STEP-Studie teilnahmen und vorher einem Erkältungsvirus, Adenovirus 5, ausgesetzt waren, anscheinend eher von HIV-1 infiziert werden als diejenigen, die dem Virus nicht ausgesetzt waren. Die Studie wurde vergangenen September ausgesetzt.

Da der STEP-Impfstoff auf einer modifizierten Version des Adenovirus 5 basiert, hatten einige Wissenschaftler spekuliert, dass es durch bereits vorhandene Antikörper in Menschen, die bereits mit diesem Virus infiziert gewesen waren, erkannt und eliminiert würde, bevor sich eine Immunantwort auf HIV-1 entwickeln kann.

Kremer und seine Kollegen fanden jedoch heraus, dass die Kombination von Adenosvirus-5-Antikörpern und dem Basisbestandteil des Impfstoffs in Kultur einen Weg triggert, auf dem bestimmte Immunzellen, sogenannte T-Zellen, aktiviert werden, die im aktiven Zustand von HIV angegriffen werden. In Kultur erlagen die T-Zellen der HIV-1-Infektion dreimal schneller als Zellen in einer Zellkultur ohne Adonovirus-5-Antikörper, berichten die Wissenschaftler. Ihre Ergebnisse, so folgern sie, zeigen, wie die Injektion eines auf Adenivirus 5 basierenden Impfstoffs bei Menschen mit Andenovirus-5-Antikörpern ein "tolerantes Umfeld für eine HIV-1-Infektion" geschaffen haben kann (1).

Diese Entdeckung, erklärt Warner Greene, Direktor des Gladstone Institute of Virology and Immunology in San Francisco, der nicht an der Studie beteiligt war, legt nahe, dass HIV-1 "auf ein geeignetes Umfeld für eine erfolgreiche HIV-Übertragung" bei Menschen, die früher Adenoviren ausgesetzt waren, trifft.

Das muss nicht unbedingt so sein

Doch viele Wissenschaftler sind noch nicht überzeugt, dass diese neue Arbeit erklärt, was in der ursprünglichen Studie schief gelaufen ist. Alle Experimente wurden in Zellkultur durchgeführt und nicht mit Zellen oder Antikörpern von Personen, die in die STEP-Studie eingebunden waren.

"Ich denke, dass es eine sehr interessante Hypothese hervorhebt, die einige der STEP-Daten erklären könnte", sagt Larry Corey, Leiter von HIV Vaccine Trials Network, die die STEP-Studie durchführten. Er warnt jedoch: "Man sollte allerdings bedenken, dass die vorgestellten Ergebnisse größtenteils in vitro gewonnen wurden und dass weitere Experimente nötig sind, um herauszufinden, ob es so wirklich bei STEP abgelaufen ist."

Darüber hinaus ist unklar, welche Relevanz eine dreimal höhere Infektionsrate im täglichen Leben tatsächlich hat, wie Nina Bhardwaj herausstreicht. "In bin nicht sicher, was das in vivo bedeutet, ich frage mich, ob es einen wirklich großen Unterschied macht."

Jonathan Yewdell vom National Institute of Allergy and Infectious Deseases in Bethesda sagt, er "bezweifelt, dass dieser Mechanismus eine wichtige Rolle für die Ergebnisse der HIV-Studie spielt", da die Ereignisse, die Zellen offenbar anfälliger für HIV machen, möglicherweise "zu kurzlebig sind, um Infektionen zu erklären, die Wochen nach einer Impfung auftreten".

"Sie stellen eine Reihe logischer Hypothesen auf, es gibt jedoch viele alternative Wege, wie dies passieren kann", sagt Jeffrey Ravetch von der Rockefeller University in New York.

Die Untersuchung ist dennoch ein wertvoller Versuch, den STEP-Resultaten einen Sinn zu geben, glaubt Ravetch. "Es ist sehr wichtig", fügt er hinzu. "Man muss verstehen, was schief gegangen ist und es im Hinterkopf haben, wenn man den nächsten Impfstoff entwickelt."

(1) Perreau, M. , Pantaleo, G. & Kremer, E. J. J. Exp. Med. doi:10.1084/jem.20081786 (2008)

Dieser Artikel wurde erstmals am 5.11.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.1208. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben