Aids-Forschung : Erfolg

UN-Organisationen haben einen ersten echten Erfolg in der Aids-Forschung gemeldet. In einer Studie in Thailand, in der der Impfstoff RV 144 getestet wurde, infizierten sich unter den Geimpften Teilnehmern ein Drittel weniger als in der Kontrollgruppe. Dass der Impfstoff unter realen Bedingungen jeden Dritten schützen würde, heißt das aber nicht.

Kai Kupferschmidt

BerlinBerlin - Forscher haben erstmals einen Impfstoff gegen Aids erfolgreich an Menschen getestet. Das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, konnte mit dem Testmedikament um 31 Prozent gesenkt werden. Dies ergab ein Massentest in Thailand. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, die Studie mit 16 402 Teilnehmern belege erstmals, dass ein Impfstoff eine HIV-Infektion verhindern könne. Die Deutsche Aidsstiftung sprach von einem Durchbruch. „Es ist das erste Mal, dass ein Test am Menschen gezeigt hat, dass Impfstoffkandidaten tatsächlich einen Schutz aufgebaut haben“, sagte der Chef der Deutschen Aidsstiftung, Ulrich Heide, im NDR.

Etwas mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer erhielt im Jahr 2006 insgesamt sechs Dosen Impfstoff, der Rest wurde lediglich zum Schein geimpft. Drei Jahre später wurden die Ergebnisse des Tests, der von der thailändischen Regierung und dem amerikanischen Militär unterstützt wurde, nun ausgewertet. Demnach infizierten sich in der Gruppe, die nicht geimpft wurde, 74 Menschen mit dem Aids-Virus. In der Gruppe der Geimpften waren es nur 51. Damit sei das Risiko einer Ansteckung nach einer Impfung um 31 Prozent niedriger gewesen, sagten beteiligte Forscher.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und das UN-Aids-Programm schrieben, die Studie sei „von großer Bedeutung“. Trotz der „mäßigen“ Wirksamkeit von rund 30 Prozent wecke das Präparat Hoffnungen für die Impfstoffforschung. Ein sicherer und hocheffektiver HIV-Impfstoff könne Wirklichkeit werden. Allerdings sei noch viel Arbeit zu tun, um die Daten zu analysieren und den Schutzmechanismus des Impfstoffes besser zu begreifen. Derzeit sei eine Zulassung des Impfstoffes noch nicht möglich. „Das ist heute ein historischer Meilenstein“, erklärte auch Mitchell Warren von der internationalen Aids-Impfungsforschungsgruppe Aids Vaccine Advocacy Group.

Viele Wissenschaftler warnen aber vor übertriebenen Hoffnungen. „Das ist keinesfalls so, dass wir jetzt jubeln können“, sagte der Aids-Forscher Jürgen Rockstroh von der Universität Bonn dem Tagesspiegel. Die Zahl der Infizierten in der Studie sei sehr gering und daher sei Vorsicht geboten bei der Interpretation. Der ehemalige Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, sagte dem Tagesspiegel: „Die Studie wirft eine Menge Fragen auf. In jedem Fall ist der Effekt nur ganz knapp statistisch bedeutsam.“

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind inzwischen 25 Millionen Menschen an Aids gestorben, weitere 33 Millionen sind HIV-positiv. Zusammen sind das 58 Millionen Opfer der Aids-Epidemie – mehr Menschen als Frankreich Einwohner hat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben