AIDS : HIV-Impfstoff erhöht möglicherweise das Risiko

Infektionsraten steigen bei manchen Studienteilnehmern.

Heidi Ledford

Ein HIV-Impfstoff der Firma Merck, der in klinischen Testreihen nicht bestanden hat, hat möglicherweise die Anfälligkeit einiger Testteilnehmer für das AIDS-Virus erhöht, berichten Wissenschaftler. Die Entdeckung lassen Forscher mit dem Problem ringen, wie mit künftigen Versuchsreihen, die auf ähnliche Strategien, eine Immunantwort zu stimulieren, setzen, umzugehen sei.

Die Testreihe wurde im September abgebrochen, als erste Analysen ergaben, dass der Impfstoff die Testteilnehmer nicht gegen das HI-Virus schützt. Der Impfstoff bestand aus einem abgeschwächten viralen Vektor, der drei HIV-Gene trug. Weder der Vektor, der aus einem Erkältungsvirus mit der Bezeichnung Adenovirus 5 entstanden ist, noch die HIV-Genen waren in der Lage, eine Infektion zu verursachen.

Es sieht jedoch danach aus, dass Testteilnehmer mit einer vorbestehenden Immunität gegen Adenovirus 5 eher HIV-positiv wurden, wenn sie den Impfstoff erhielten. Unter den männlichen Teilnehmern infizierten sich in der Impfgruppe 21 von 392 Teilnehmern, in der Placebogruppe jedoch nur 9 von 386. Die Infektionsraten bei Männern ohne vorbestehende Immunität beeinflusste der Impfstoff nicht.

Die Testreihe war nicht dazu angelegt, die Beziehung zwischen Adenovirus-5-Immunität und HIV-Infektion zu untersuchen und die Wissenschaftler können nicht sagen, ob das Resultat statistisch signifikant ist. Sie können die Ergebnisse jedoch nicht ignorieren, sagt Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Desease in Bethesda, Maryland. Der Beginn einer weiteren Testreihe wurde um mehrere Monate nach hinten verschoben, um weitere wissenschaftliche Überprüfungen zu ermöglichen, sagt er.

Derzeit versuchen Wissenschaftler festzustellen, ob der Vektor verantwortlich ist oder ob diejenigen mit einer vorbestehenden Adenovirus-5-Immunität aus anderen Gründen ein höheres Risiko tragen. Immunologen meinen, dass es theoretisch möglich ist, dass die Impfung bei Personen mit vorbestehender Immunität eine Immunantwort getriggert hat, die vorübergehend die Produktion von CD4-Zellen steigerte - eben jeden Immunzellen, die HIV infiziert.

Diese Theorie lässt jedoch etliche Fragen unbeantwortet. Zum Beispiel ist nicht bekannt, wie lange die aktivierten CD4-Zellen auf der Oberfläche der Mukosa verbleiben, wo HIV zuerst angreift, sagt Fauci.

Wissenschaftler sind nichts desto trotz beunruhigt. Eine mögliche Lösung besteht darin, zukünftige Testreihen mit Adenovirus-5-basierten Impfstoffen auf Personen zu beschränken, bei denen nur eine geringe Immunität gegen den Vektor besteht, sagt Gary Nabel, Direktor des Vaccine Research Center am National Institute of Health in Bethesda. Ein solches Vorgehen würde jedoch einen großen Teil der Personen von Testreihen ausschließen, denen letztlich geholfen werden soll: Mehr als 80 Prozent der in der Subsahara lebenden Afrikaner besitzen eine signifikant hohe Immunität gegen Adenovirus 5. Zusätzlich zu dem getesteten HIV-Impfstoff basiert auch ein Ebola-Impfstoff auf einem Adenovirus-5-Vektor.

In diesem Stadium der Impfstoffentwicklung suchen die Forscher jedoch eher nach einer Bestätigung ihres Konzepts, denn nach einem Impfstoff, der umgehend Anwendung findet, so Lawrence Corey von HIV Vaccine Trial Networks.

Alternativen zum Adenovirus 5 sind entwickelt worden und könnten zum Einsatz kommen, wenn sich die Effektivität der Impfstrategie erst einmal gezeigt hat. Nichts desto weniger werden die Entwickler der Impfstoffe in Anbetracht der neuen Daten großen Herausforderungen und Entscheidungen gegenüber stehen, sagt er: "Unsichere Daten in eine Strategie zu übertragen ist immer ein schwieriges Vorhaben."

Dieser Artikel wurde erstmals am 14.11.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/450325a. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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