AIDS : Kein Ende von AIDS in Sicht

Der Kampf gegen HIV ist gekennzeichnet durch Fehlschläge bei Impfstoffen, schlecht ausgerichtete Präventionsmaßnahmen und den Mangel an Nachwuchsforschern, so die Konferenz.

Erika Check Hayden

Bei der Eröffnung der 27. Welt-AIDS-Konferenz in Mexiko-City drängten Politiker die Welt, den Zugang zu Prävention und Behandlung der HIV-Infektion auszuweiten, während Wissenschaftler und Aktivisten vor Hindernissen bei der Suche Maßnahmen der neuen Genration gegen AIDS warnten.

"Ein Ende von AIDS ist nirgendwo in Sicht", sagte Peter Piot, scheidender Direktor des Joint United Nations Programme on HIV/AIDS (UNAIDS) vor 20.000 Kongressteilnehmern bei der Eröffnungsversammlung.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Mexikos Präsident Felipe Calderón Hinosoja und Gesundheitsminister José Ángel Córdova Villalobos waren bei der Eröffnungsversammlung ebenfalls anwesend. Die Beteiligung politischer Führer Mexikos an der Konferenz - der ersten, die in Lateinamerika stattfindet - stellt einen krassen Kontrast zu 2006 dar, als der kanadische Premierminister Stephen Harper nicht auf der 26. Welt-AIDS-Konferenz in Tokio erschien.

Die Redner erklärten, dass obwohl drei Millionen Menschen in Entwicklungsländern mittlerweile antiretrovirale Medikamente erhalten, doppelt so viele Menschen die Medikamente, die sie bräuchten, nicht erhalten. Präventionsmaßnahmen erreichen darüber hinaus häufig die Gruppen, die von der Epidemie am stärksten betroffen sind, nicht, darunter Prostituierte, homosexuelle Männer und Süchtige, die ihre Drogen spritzen. Zum Beispiel wird die American Foundation for AIDS Research berichten, dass in Mexiko und anderen lateinamerikanischen Staaten weniger als 1% der Ausgaben Männer erreichen, die Sex mit anderen Männern haben, obwohl diese Gruppe ein Viertel aller HIV-Infizierten in der Region darstellt.

"Was Prävention betrifft, so kommt die Botschaft nicht an", sagte Festus Mogae, früherer Präsident von Botswana, gestern auf einer Pressekonferenz. "Wir brauchen mehr als wir bislang tun."

Beispiellose Herausforderungen

Gleichzeitig sprechen Aktivisten und Wissenschaftler von beispiellosen Herausforderungen bei der Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten, Impfstoffen oder präventiven Maßnahmen. Wichtige Studien mit Impfstoffen und Mikrobiziden scheiterten während des vergangenen Jahres und einige Produkte machten die Studienteilnehmer empfänglicher gegenüber HIV. Andere Interventionen funktionieren, werden jedoch nicht genutzt. Beispielweise werden Aktivisten auf der Konferenz dafür eintreten, dass mehr Männern Vorhautbeschneidungen angeboten werden, da sich gezeigt hat, dass sie das Risiko einer HIV-Infektion vermindern.

In einem gestern veröffentlichten Bericht legte die in New York ansässige Treatment Action Group dar, dass fünf Jahre geringer Budgets bei der weltgrößten AIDS-Forschungseinrichtung - den National Institutes of Health (NIH) - die Suche nach neuen Medikamenten und präventiven Maßnahmen im Kampf gegen HIV und Erkrankungen, die Infizierte häufig treffen, verlangsamten. Zum Beispiel vermerkt der Bericht, dass sich zwar fünf neue Medikamente in fortgeschrittenen Testphasen befinden, jedoch nur zwei der Medikamente auf eine neue Art wirken, sodass sie Patienten helfen könnten, die Resistenzen gegen bereits gängige Medikamente entwickelt haben.

Und obwohl die NIH und AIDS-Forscher auf der Suche nach weiteren jungen Wissenschaftlern sind, um der schwierigen Suche nach einem Impfstoff zu begegnen, meinen Wissenschaftler auf einem von Global HIV Vaccine Enterprise in New York einberufenen Forum, dass junge Forscher es zunehmend schwierig finden, sich auf diesem Gebiet durchzusetzen.

Das liegt zum Teil daran, dass Forschungsbemühungen in großen Organisationen verortet sind, wie im mit 300 Millionen US-Dollar von den NIH finanzierten Center for HIV-AIDS Vaccine Immunology. Junge Leute können in diesen Einrichtungen leicht verloren gehen, denn sie bieten nur selten die traditionellen Möglichkeiten, als Wissenschaftler Anerkennung zu erlangen. Gleichzeit macht die Finanzierung durch die NIH es schwierig selber Gelder einzuwerben.

Junge Leute für diese Aufgaben zu gewinnen, ist jedoch entscheidend, wenn das Fachgebiet von den neuen Technologien in der Biologie profitieren will, die andere Forschungsgebiete revolutioniert haben, sagt Alan Bernstein, Leiter von Global HIV Vaccine Enterprise. "Etliche Leute auf diesem Gebiet sind bereits seit 1983 dabei", dem Beginn der AIDS-Epidemie, sagt er. "Sie sind heute 25 Jahre älter und diese neuen Technologien sind wirklich was für junge Leute."

Dieser Artikel wurde erstmals am 4.8.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.1006. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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