AIDS : Mutation erhöht die Zahl der HIV-Infektionen unter Afrikanern

Genetische Eigenart schützt vor Malaria, macht Afrikaner jedoch möglicherweise anfälliger für HIV.

Heidi Ledford

Einer genetischen Studie mit 3400 Beteiligten zufolge führt eine genetische Mutation bei Afrikanern zu Resistenzen gegenüber bestimmten Malariaformen, macht die Menschen jedoch anfälliger für eine HIV-Infektion. Paradoxerweise leben die Träger dieser Mutation nach einer HIV-Infektion jedoch im Durchschnitt zwei Jahre länger als Betroffene ohne die Genmutation.

Die Mutation führt zum Fehlen eines Proteins, das sich normalerweise auf den roten Blutkörperchen befindet. Das Protein mit der Bezeichnung DARC (Duffy Antigenrezeptor für Chemokine) bindet an Proteine des Immunsystems, sogenannte Chemokine, die Entzündungen triggern können.

Zwei Malariaerreger, Plasmodium vivax und Plasmodium knowlesi, benutzen DARC, um in die Blutzellen einzudringen. Menschen, denen DARC fehlt, sind resistent gegenüber diesen Erregern, nicht jedoch gegen andere Malariaerreger wie das tödlichere Plasmodium falciparum.

Nahezu alle Afrikaner tragen eine Mutation in der Nähe des DARC-Gens, die seine Exprimierung verhindert. "Es ist ein Tauschgeschäft", sagt Robin Weiss, HIV-Forscher am University College London und Mitglied des Teams, das die neuen Erkenntnisse erbrachte. "Dieser genetische Faktor, der Afrikaner der Subsahara resistent gegen Vivax-Malaria macht, macht sie auch empfänglicher für HIV."

Einflüsse

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler eine wachsende Liste von Genen zusammengetragen, die Einfluss auf eine HIV-Infektion haben könnten. Eine Mutation in einem anderen Protein, das mit Chemokinen interagiert, CCR5 genannt, reduziert die Infektionsraten und wurde bei etwa 1% der Kaukasier in Nordamerika gefunden. Einige Pharmaunternehmen entwickeln HIV-Therapien, die das CCR5-Protein gezielt angehen. Und im letzten Jahr erbrachte eine Genomstudie diverse Gene, die mit der Schwere der HIV-Infektion und dem Krankheitsprogress in Verbindung gebracht werden (1).

Derartige Studien können die Wege aufdecken, die das Virus bei der Infektion nimmt, und könnten helfen zu erklären, warum manche Populationen anfälliger sind als andere, sagt Cheryl Winkler, die über die Genetik von Infektionskrankheiten am US National Cancer Institute in Maryland arbeitet. Obwohl die AIDS-Epidemie Afrika überzieht, hat niemand einen spezifischen Risikofaktor für die afrikanische Bevölkerung entdeckt.

Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass DARC die Bindung von HIV an rote Blutzellen unterstützen kann (2), und Weiss und seine Kollegen untersuchten die Rolle von DARC bei der HIV-Infektion. Sie bestätigten, dass HIV mithilfe von DARC an die roten Blutkörperchen bindet und untersuchten anschließend rund 3400 Afroamerikaner, um den Effekt der Mutation auf die HIV-Infektion zu sichern. Die Forscher untersuchten Afroamerikaner anstelle von Afrikanern, da die Mutation in Afrika so verbreitet ist, dass nur sehr wenige Afrikaner, die nicht Träger der Mutation sind, zum Vergleich zur Verfügung gestanden hätten.

Afroamerikaner, die die Mutation tragen, haben eine 40% höhere Wahrscheinlichkeit, mit HIV infiziert zu werden. Die Studie, die in Cell Host and Microbe (3) publiziert wurde, muss wiederholt werden, damit die Forscher ganz sicher sein können, die vorliegenden Ergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass 11% der HIV1-Infektionen in Afrika durch die Mutation begünstigt sind. "Wenn das stimmt, wird es enorme Auswirkungen haben", sagt Winkler.

Unbeantwortete Fragen

Die Ergebnisse stützen die Evidenz, dass Chemokine während der HIV-Infektion wichtig sein können, aber niemand weiß genau, wie sich das Fehlen des DARC-Rezeptors auf das Virus auswirkt. Eine Möglichkeit, so Sarah Rowland-Jones von den Medical Research Laboratories in Banjul, Gambia, besteht darin, dass DARC zu einer wichtigen Immunantwort beiträgt.

Die Wissenschaftler entdeckten ebenfalls, dass HIV-Infizierte, denen DARC fehlt, länger leben als Infizierte mit DARC. Die Gründe dafür sind unklar, sagt Weiss. "Es ist nicht eingängig", sagt er und merkt an, dass die meisten anderen Risikofaktoren, die eine HIV-Infektion fördern, gleichfalls mit einer schnelleren Entwicklung der Krankheit einhergehen.

Ein wichtiger nächster Schritt wird sein, die Untersuchungen mit anderen Patientengruppen zu wiederholen, erklärt Winkler, um Bedenken auszuräumen, bei den von Weiss und Kollegen Assoziationen handle es sich um Zufälle. Die Teilnehmer der Studien waren Militärangehörige, was einen gewissen Grad sozialer und ökonomischer Gleichheit impliziert. Weitere Studien sind jedoch nötig, um der Möglichkeit zu begegnen, dass andere Faktoren eine Rolle für die gefundenen Assoziationen sind.

"Es ist ein provokantes Paper, das die Forschung auf diesem Gebiet anregen wird", meint Winkler. "Ich glaube jedoch nicht, dass das letzte Wort schon gesprochen ist."

(1) Fellay, J. et al. Science 317, 944-947 (2007).
(2) Lachgar, A. et al. Biomed. Pharmacother. 52, 436-439 (1998).
(3) He, W. et al. Cell Host Microbe 4, 52-62 (2008).

Dieser Artikel wurde erstmals am 16.7.2008 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2008.948. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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