Aktionsrat Bildung über Ganztagsschulen : Rhythmisch lernt sich's besser

Der Aktionsrat Bildung fordert in seinem Jahresgutachten, dass der Unterricht in Ganztagsschulen konsequenter rhythmisiert werden soll. Wenn sich Fachunterricht und andere Aktivitäten abwechseln, profitierten vor allem benachteiligte Schüler.

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Zwei Schülerinnen bei Handarbeiten an einem Steckenpferd.
Raus aus dem Trott. Unterricht und andere Aktivitäten sollten verzahnt sein.Foto: dpa

Fachunterricht, Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenhilfe und Freizeitaktivitäten wechseln sich den ganzen Tag über ab: So sieht für Bildungsforscher die ideale Ganztagsschule aus. Doch davon sind die meisten Schulen in Deutschland noch weit entfernt. Derzeit lernen nur 5,9 Prozent aller Viertklässlerinnen und Viertklässler in solchen „rhythmisierten“ Ganztagsschulen. Das geht aus dem Jahresgutachten des „Aktionsrat Bildung“ hervor, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Der Aktionsrat ist ein von der bayrischen Wirtschaft unterstütztes Gremium, zu dem mehrere Erziehungswissenschaftler wie Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, und der Pisa-Experte Manfred Prenzel gehören. Der Aktionsrat fordert jetzt einen Ausbauplan für flächendeckende rhythmisierte, also „echte“ Ganztagsangebote.

Das Gutachten konzentriert sich auf Ganztagsangebote in den Grundschulen. Trotz unbestrittener Fortschritte sei „der aktuelle Ausbaustand nach wie vor noch unzureichend“. Zwar bot im Jahr 2011 fast jede zweite Grundschule Ganztagsbetreuung an. Allerdings besuchen diese Schulen bundesweit nur 26,2 Prozent aller Grundschüler. Zwischen den Ländern gibt es große Unterschiede. Während in Thüringen und Sachsen mehr als 80 Prozent der Grundschüler eine Ganztagseinrichtung besuchen, sind es in Baden-Württemberg (9,4 Prozent), Bayern (7,4 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (3,1 Prozent) nicht einmal ein Zehntel. In Berlin sind es 76,7 Prozent, in Brandenburg 42,9 Prozent.

Offenen Ganztagschulen fehlen Konzepte zur Verzahnung

Eingerichtet würden meistens offene Ganztagsschulen. Diese würden aber zusätzliche Fördermöglichkeiten nicht effektiv genug umsetzen, heißt es. Der Fachunterricht konzentriert sich hier auf den Vormittag, während die Betreuung am Nachmittag fakultativ ist. Tatsächlich verfüge nur eine Viertel der offenen Ganztagsgrundschulen über ein Konzept, wie sich Unterricht und zusätzliche Angebote sinnvoll verzahnen lassen. Lehrkräfte und Schulleitungen verfügten „noch nicht über eine ausreichende Expertise, um die neuen Anforderungen des Ganztags effektiv umzusetzen“. Das Gutachten stützt sich auf Zahlen der Kultusministerkonferenz sowie auf die Grundschulstudien „Timss“ und „Iglu“ und auf Evaluationen von Ganztagsschulen in Deutschland.

Insgesamt bewegt sich wenig bei der Unterrichtskultur

Aus pädagogischer Sicht seien dagegen Schulen am erfolgversprechendsten, wo Fachunterricht und andere Angebote alternieren und Schülern auch Ruhephasen gelassen werden. Insbesondere Bildungschancen weniger privilegierter Schüler würden hier steigen. Auch sei lediglich an diesen Schulen eine Veränderung der Unterrichtskultur zu beobachten – „jedoch auch nur im begrenzten Maße“.
Der Aktionsrat fordert „länderübergreifende Standards“ für Ganztagsangebote. Dazu zählt die Rhythmisierung des Schultags mit mindestens sieben Zeitstunden. Schulen müssten Angebote für unterschiedliche Lern-, Freizeit- und Einzelarbeitsbedürfnisse schaffen. Lehrkräfte sollten bessere Fortbildungen erhalten, an Schulen sollten verstärkt gemischte Teams aus Sozialpädagogen und weiteren Coaches zusammenarbeiten.
Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen, die für die SPD bei den Koalitionsverhandlungen die AG Bildung anführt, bekräftigte am Mittwoch die Forderung nach einem neuen bundesweiten Ganztagsschulprogramm. Dieses müsse die pädagogische Qualität der Schulen weiter stärken.

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