Allein im All : Weniger streunende Planeten in der Milchstraße

Wissenschaftler haben nachgezählt: Einzelgängerische Planeten ohne Stern sind seltener als vermutet.

Streuner. Wissenschaftler haben ermittelt, wie viele Planeten von der Größe des Jupiter (unser Bild zeigt einen Wirbelsturm auf dem Planeten) allein unterwegs sind.
Streuner. Wissenschaftler haben ermittelt, wie viele Planeten von der Größe des Jupiter (unser Bild zeigt einen Wirbelsturm auf...Foto: Kevin Gill/dpa

In unserer Milchstraße gibt es zehn Mal weniger jupitergroße Planeten, die als Einzelgänger ohne Zentralstern umherstreifen, als bislang angenommen. Das zeigt die systematische Auswertung von mehr als 2600 Mikro-Gravitationslinsen-Ereignissen durch polnische Astronomen. Bei diesen Ereignissen zieht ein Planet von der Erde aus gesehen vor einem Stern vorüber und verstärkt mit seiner Gravitation linsenartig dessen Strahlung. Damit sei die Anzahl solcher „streunenden Planeten“ in besserer Übereinstimmung mit den Vorhersagen der Theorien über die Planetenentstehung, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature“.

„Diese Theorien sagen voraus, dass einige Planeten durch dynamische Prozesse aus ihrem Ursprungssystem herausgeworfen werden“, erläutern Przemek Mróz von der Universität Warschau und seine Kollegen. „Solche ungebundenen Planeten können außerdem auch ähnlich wie Sterne durch den gravitativen Kollaps von Gaswolken entstehen.“ Tatsächlich konnten Astronomen eine Handvoll solcher Planeten-Streuner direkt beobachten, jedoch nur die größten unter ihnen. Planeten mit Massen unterhalb von fünf Jupitermassen leuchten zu schwach für einen direkten Nachweis.

Der Planet macht den Stern heller

Doch die Natur hilft den Astronomen mit dem Gravitationslinseneffekt. Wandert ein – selbst unsichtbarer – Himmelskörper vor einem Stern vorüber, so verstärkt er mit seiner Schwerkraft wie eine Linse kurzzeitig dessen Helligkeit.

Die Dauer eines solchen Mikro-Gravitationslinsen-Ereignisses hängt dabei von der Masse des Planeten ab und liegt im Bereich von Tagen. Eine Auswertung von 474 solchen Ereignissen hatte vor einigen Jahren eine überraschend hohe Zahl von jupitergroßen Streunern geliefert. Auf jeden normalen Stern sollten in der Milchstraße zwei ungebundene jupitergroße Planeten kommen. Das jedoch stand im Widerspruch zur Theorie der Planetenentstehung, die eine deutlich geringere Zahl erwarten ließ.

Mróz gelang es nun, das Bild wieder zurechtzurücken. Inzwischen haben die Forscher eine erheblich größere Zahl von Mikro-Gravitationslinsen beobachtet, sodass die Statistik entsprechend robuster ist. Es gibt maximal einen jupitergroßen ungebundenen Planeten für vier normale Sterne in der Milchstraße. Damit ist die Zahl der streunenden Planeten in guter Übereinstimmung mit den Vorhersagen. Überraschend stießen Mróz und Kollegen zudem auf eine Reihe extrem kurzer Mikro-Gravitationslinsen-Ereignisse. Diese deuten auf eine zusätzliche Population ungebundener Planeten mit der ein- oder mehrfachen Masse der Erde.

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