Wissen : Altern nützt dem Klima Weniger Kohlendioxid jenseits der 65

Fritz Habekuss

Altern ist gesund. Zumindest für unseren Planeten, zumindest in einigen Jahren. Der Kohlendioxid(CO2)-Ausstoß eines Menschen steigt zwar bis zum Alter von rund 65, fällt danach aber ab. In Gesellschaften mit immer mehr Alten ist dieser Effekt so stark, dass er langfristig Einfluss auf den Klimawandel haben kann. Das hat Emilio Zagheni vom Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung herausgefunden.

Wie Zagheni belegt, geht Altern mit einem Wandel der Lebensweise und geringerer CO2-Erzeugung einher. Der Wissenschaftler ist der Erste, der eine Kurve berechnet hat, die Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 und Alter ins Verhältnis setzt. Sie zeigt, dass Menschen mit rund 65 Jahren durch ihren Lebensstil am meisten Kohlendioxid erzeugen, nämlich fast 15 Tonnen pro Jahr. Nach diesem Höhepunkt geht es wieder nach unten, mit 80 Jahren sind es knapp zwei Tonnen weniger – ein gewichtiger Unterschied. Auch wenn Zagheni für über 80-Jährige keine Daten hat: Vieles spricht dafür, dass die Kurve bei ihnen weiter nach unten zeigt und der Effekt sich somit verstärkt.

Dass Alte eine positivere CO2-Bilanz haben, liegt an ihrem Lebenswandel. Der Durchschnittsrentner fährt weniger Auto und verbraucht weniger energieintensive Güter wie Tabak, Flugreisen oder Autos. Außerdem – und darin erkennt Zagheni den Hauptgrund für den CO2-Rückgang – würden im Rentenalter Gesundheitsleistungen, also Therapien oder Medikamente wichtiger. Diese verbrauchten im Allgemeinen eher weniger Kohlendioxid, zweitens bleibt so weniger Geld für energieintensive Produkte übrig.

Dieser Rückgang hat auf lange Sicht einen bedeutenden Einfluss auf die Gesamt-CO2-Bilanz eines Landes. Eine Modellrechnung am Beispiel der USA, in der die Gesellschaft zwar altert, aber nicht wächst, zeigt: In den nächsten Jahrzehnten bis 2050 steigt der CO2-Ausstoß geringfügig. Blickt man noch weiter nach vorn, lässt der altersbedingte Einspareffekt die Gesamtbilanz sogar negativ werden. Je größer der Anteil der über 65-Jährigen, desto besser fürs Klima. Fritz Habekuss

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