Wissen : Am Anfang war die Ehe

Anthropologen versuchen zu erklären, was den Erfolg des Menschen ausmacht

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Vor Tausenden von Jahren begann der Siegeszug des Menschen auf dem Planeten. Seine nächsten Verwandten, die Menschenaffen, hat er längst an den Rand gedrängt. Wie aber lässt sich dieser Triumph erklären? Ein Team um den Anthropologen Kim Hill von der Arizona State University glaubt die Antwort darauf gefunden zu haben. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt „Science“ berichten, sind es eine Reihe von Eigenschaften, die eine Gruppe von Menschen einzigartig machte und zum Erfolg prädestinierte – darunter feste, eheähnliche Beziehungen zwischen den Partnern.

95 Prozent der Menschheitsgeschichte war von einem Dasein des Homo sapiens als Jäger und Sammler dominiert. Die Forscher untersuchten daher die Verwandtschafts- und Gruppenverhältnisse in 32 noch existierenden Jäger- und Sammlergesellschaften. Auf diese Weise erhellten sie die Unterschiede, die bereits in solchen überschaubaren Gruppen zu Primaten bestehen – gewissermaßen die Keimzelle, aus der sich die moderne, verschachtelte Sozialstruktur entwickelte.

Urtümliche menschliche Gruppen halten Kontakt zueinander, weil sie wissen, dass sie verwandtschaftlich verbunden sind. Gruppen von Primaten leben dagegen isoliert voneinander, Verwandte halten keinen Kontakt zu ihrer ursprünglichen Gruppe.

Entscheidender Unterschied zu Schimpansen und Bonobos, die promisk und ohne festen Partner leben, sind die dauerhaften Beziehungen zwischen Mann und Frau. Sie führten dazu, dass in den Menschengruppen stärkere Bindungen zwischen den einzelnen Mitgliedern auftraten und Konkurrenzkämpfe an Bedeutung verloren. Dieses Muster verwandtschaftlicher Beziehungen wurde zudem auf den Kontakt zu anderen Gruppen übertragen, in die Männer oder Frauen „einheirateten“. Die menschliche Gesellschaft entpuppt sich als ein Netz verwandtschaftlicher Beziehungen – ein Modell, das nun die Befunde der Anthropologen bestätigten. Hartmut Wewetzer

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