Amoktäter : Schwelgen in Hass und kalter Wut

Marieke Degen

Amokläufe sind sehr selten. Vermutlich hat es sie schon immer gegeben. In Deutschland kennt man noch Fälle aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Am Ende steht immer wieder die gleiche Frage: Warum hat er das getan?

Wissenschaftler, die das ergründen wollen, haben nur eine Möglichkeit. Sie müssen die Fälle, die bereits geschehen sind, rekonstruieren – in der Hoffnung, Parallelen zwischen den Tätern zu entdecken und daraus Risikofaktoren abzuleiten. „Amoktäter sind stille Zeitgenossen, die lange solche Taten planen, die lange in Hass und eher kalter Wut schwelgen, das heißt, sie fühlen sich über lange Jahre verletzt, gedemütigt, angegriffen, gemobbt“, sagt die Kriminologin Britta Bannenberg von der Universität Gießen. Sie arbeitet an Target mit, einem interdisziplinären Forschungsprojekt, in dem deutsche Amokfälle seit 1913 aufgearbeitet werden.

Bannenberg hat kaum Hinweise darauf gefunden, dass die Täter auch tatsächlich gemobbt wurden. Sie kapselten sich vielmehr selber ab, sagt sie. Ein Teufelskreis aus Isolation, Rachefantasien und einem Gefühl von Ausweglosigkeit beginnt, der durch Medien – durch Internet, brutale Filme, Ego-Shooter – noch befeuert wird.

Die Täterprofile, die in Deutschland erarbeitet werden, bestätigen ältere Forschungsergebnisse aus den USA – mit einem Unterschied: „Wir würden sehr viel deutlicher sagen, dass alle Täter psychopathologisch auffällig sind“, sagt Bannenberg. „Also mindestens haben die Täter beginnende Persönlichkeitsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und psychopathologische Auffälligkeiten, und einige wenige gerade der jungen Täter scheinen doch auf dem Weg gewesen zu sein, eine Psychose zu entwickeln.“

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