Anpassung an die Arktis : Eisbären macht fette Kost nichts aus

Die Evolution hat beim Eisbären vor allem solche Gene verändert, die wichtig sind für Herz und Blutgefäße. Möglicherweise werden so schädliche Effekte der extrem fetthaltigen Ernährung der Tiere verhindert.

Rund und gesund. Eisbären haben einen Körperfettanteil von bis zu 50 Prozent.
Rund und gesund. Eisbären haben einen Körperfettanteil von bis zu 50 Prozent.Foto: dpa

Eisbären haben sich ausgezeichnet an ihren arktischen Lebensraum angepasst. Neue Einsichten in diese Entwicklung liefert eine Erbgutstudie eines internationalen Forscherteams. Binnen weniger 100 000 Jahre hat die Evolution beim Eisbären demnach vor allem solche Gene verändert, die wichtig sind für Herz und Blutgefäße. Möglicherweise werden so schädliche Effekte der extrem fetthaltigen Ernährung verhindert, schreiben Eske Willerslev vom Naturkundemuseum Kopenhagen und Kollegen im Fachblatt „Cell“. Ihrer Ansicht nach könnte ein genaueres Studium des Extremfalls Eisbär helfen, den genetischen Hintergrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim Menschen auszuleuchten.

Eisbären stammen von Braunbären ab und können mit diesen noch heute fruchtbare Nachkommen zeugen. Im Gegensatz zu ihren allesfressenden Verwandten haben es die Arktisbewohner in erster Linie auf die dicke Speckschicht von Robben abgesehen. Ihrerseits bringen sie es im Extremfall auf einen Körperfettanteil von 50 Prozent.

Die Forscher analysierten das Erbgut von 79 Eisbären und von 10 Braunbären. Dabei fanden sie wichtige Unterschiede, insbesondere bei dem Gen APOB. Es beeinflusst, wie Cholesterin vom Blut in Körperzellen gelangt und verringert so die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zusätzlich zu APOB fanden sich acht weitere Gene, die für die Entwicklung und die Funktion von Herz und Gefäßsystem wichtig sind und beim Eisbär deutlich verändert waren.

Auf Basis ihrer Daten schätzen die Forscher, dass Braunbären und Eisbären seit rund 400 000 Jahren getrennte Wege gehen. Die Entwicklung hin zu einem gut getarnten Robbenjäger sei also sehr zügig abgelaufen, sagt Ko-Autor Rasmus Nielsen von der Universität Berkeley. (JKM)

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben