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Antarktis : Die größte Meeresschutzzone der Welt

Nach jahrelangen Verhandlungen haben sich 24 Staaten und die EU auf eine riesige Meeresschutzzone im Rossmeer geeinigt. Dort ist für mindestens 35 Jahre der Fischfang verboten.

Barbara Barkhausen
Durch das neue Abkommen sollen auch bedrohte Tierarten besser geschützt werden.
Durch das neue Abkommen sollen auch bedrohte Tierarten besser geschützt werden.Foto: REUTERS/Pauline Askin

Es ist ein Historisches Abkommen: 24 Staaten und die Europäische Union haben sich auf eine riesige Meeresschutzzone in der Antarktis geeinigt. Das Gebiet im Rossmeer ist mit 1,55 Millionen Quadratkilometern gut vier mal so groß wie Deutschland. Dort ist damit mindestens für die nächsten 35 Jahre das kommerzielle Fischen verboten. Der Deal kam am Freitag in Hobart auf der australischen Insel Tasmanien zustande.

Nach fünf Jahren fruchtloser Verhandlungen, während derer sich China, Russland und die Ukraine, die in der Region fischen, immer wieder quer gestellt hatten, ist die Entscheidung ein großer Erfolg für die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis. Das Schutzgebiet liegt vor der Küste der Antarktis, eine Region, die Wissenschaftler als eine der unberührtesten Ökosysteme der Erde beschreiben.

Russland beispielsweise wird allerdings weiterhin Riesen-Antarktisdorsche fischen dürfen, aber nur in Regionen, wo beispielsweise weniger nicht-ausgewachsene Fische in die Netze gehen. Im größten Teil der Meeresschutzzone – auf einer Fläche von 1,12 Millionen Quadratkilometern – wird Fischerei vollkommen verboten sein. Die Entscheidung versucht ein „Gleichgewicht zwischen Meeresschutz, nachhaltiger Fischerei und wissenschaftlichen Interessen“ zu schaffen, sagte Neuseelands Außenminister Murray McCully.

Grafik: Pieper-Meyer

Die Vereinbarung, die im Dezember 2017 in Kraft treten wird, ist ein Sieg für die vielfältige Tierwelt der Region: Mehr als 10.000 Arten, darunter Pinguine, Wale, Seevögel, Tintenfische, Knochenfische, Robben und antarktischer Krill, Kleinkrebse, die die Lebensgrundlage für der meisten anderen Tiere sind, werden von der Entscheidung profitieren. Ein Verbund von Umweltschutzorganisationen, die Antarctic Ocean Alliance, lobte die Entscheidung als bahnbrechend. Es sei die erste Schutzzone dieser Art in internationalen Gewässern. „Es ist überhaupt die größte Meeresschutzzone“, sagte Sprecherin Elsa Evers.

Höchst gelegener, trockenster, kältester Kontinent


Der World Wildlife Fund (WWF) feierte die Entscheidung als eine „willkommene Erleichterung für alle Pinguine, Wale und Robben, die das Rossmeer ihr Zuhause“ nennen. Die Naturschutzorganisation hatte zuvor gewarnt, dass ein Drittel der Adeliepinguin-Kolonien bis 2060 verloren gehen könnten, da der Klimawandel Krill und Fische beeinträchtigt. Zudem seien 596 der 674 Gletscher an der Westküste der antarktischen Halbinsel seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1940ern zurückgegangen und das Larsen C-Schelfeis drohe auseinander zu brechen. Die Einrichtung der Meeresschutzzone kommt deswegen zu einem kritischen Zeitpunkt.

In der Antarktis gibt es einige Dutzend Forschungsstationen. Dort werden unter anderem die Folgen des Klimawandels auf die Meere untersucht. „Hier ist heute Geschichte geschrieben worden“, sagte Mike Walker, Projektleiter bei der Antarctic Ocean Alliance. „Hier wird das gesündeste Ozeangebiet der Welt geschützt.“ Der Kontinent selbst war bereits geschütztes Gebiet, nicht aber große Teile der Meere rundum.

Das Schutzgebiet ist nicht nur wichtig, um die Tiere in der Region vor Überfischung zu schützen und die enorme Artenvielfalt zu erhalten. Die Entwicklung der Antarktis und des Südpolarmeeres ist auch ein Indikator für den Klimawandel. Im April 2013 veröffentlichte ein Wissenschaftlerteam der Australian National University und der British Antarctic Survey (britische Antarktisvermessung) beispielsweise die Ergebnisse einer 360-Meter tiefen Eiskernbohrung an der nördlichen Spitze der Antarktischen Halbinsel. Der Eiskern zeigte, dass die kühlsten Temperaturen und damit die geringste Schmelze vor 600 Jahren herrschte und seitdem die Temperaturen um 1,6 Grad angestiegen sind. Eine dramatische Schmelze ließ sich dabei vor allem in den vergangenen 50 Jahren erkennen.

Die Antarktis ist der höchst gelegene, trockenste, kälteste und windigste Kontinent. In der bis zu 4500 Meter dicken Eisdecke sind aber 90 Prozent des Eises und 70 Prozent der weltweiten Süßwasser-Reserven gebunden. Im Augenblick gilt die Antarktis als Niemandsland. Bis mindestens 2041 – bis der Antarktisvertrag ausläuft – kann kein Land Anspruch auf den Kontinent aus Eis legen.

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