Antarktischer Ozean : Verborgenes Leben unterm Eis

Der Antarktische Ozean umfasst rund 20 Millionen Quadratkilometer. Das ist fünfmal so groß wie die Europäische Union. Dennoch ist vergleichsweise wenig über das Meer im Süden bekannt.

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Der Schwarzangler bringt von allein ein bisschen Licht ins Dunkel. Er lockt Beute mit der Leuchte über seinem Maul an.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Naturhistorisches Museum Senckenberg
21.10.2010 12:43Der Schwarzangler bringt von allein ein bisschen Licht ins Dunkel. Er lockt Beute mit der Leuchte über seinem Maul an.

Rund 8800 Arten wurden bisher entdeckt, wobei Biologen annehmen, dass es allein in Küstennähe 17 000 sein könnten. Die Forschung in dem Gebiet ist kompliziert, vor allem im Winter. Dann reicht das Meer eis teilweise sehr weit über die flache und lebensfreundliche Küstenzone hinaus. Die Gemeinschaft der Tiere unter dem Eis kann nur mit Tauchbooten, Unterwasserrobotern oder automatisierten Beobachtungsstationen ergründet werden. Durch technische Neuerungen, hoffen die Forscher, können sie das verborgene Leben besser studieren.

Besonders bedroht ist die kälteliebende Artengemeinschaft durch die Fischerei. Die Netze der großen Trawler werden vor allem für Krill, Antarktischen Seehecht, Schwarzen Seehecht und Bändereisfisch ausgeworfen. Mehrere 100 000 Tonnen werden jährlich gefangen und dem Ökosystem entzogen, hinzu kommen die Auswirkungen des unvermeidlichen Beifangs.

Auch die Erderwärmung könnte ein Problem werden. Die Gewässer um die Antarktische Halbinsel gehören weltweit zu denen mit der stärksten Temperatursteigerung. Um rund ein Grad Celsius hat das Oberflächenwasser in den vergangenen 50 Jahren zugenommen. Die tiefen Schichten sind bislang verschont geblieben, aber das kann sich ändern. Zudem gilt der Südliche Ozean als die Region, in der die Versauerung der Meere durch den steigenden Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre zuerst spürbar wird. Man schätzt, dass beispielsweise Flügelschnecken am Ende des Jahrhunderts keine stabilen Kalkgehäuse mehr bauen können.

Zwei Probleme blieben dem Ozean bisher erspart. Es gibt keinen Nachweis über invasive Arten, die sich erfolgreich etabliert hätten. Auch der zunehmende Tourismus – zwischen 1992 und 2007 hat sich die Zahl der Besucher auf 35 000 verfünffacht – zeigt vorerst keine nennenswerten Folgen für die marine Lebewelt.

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