Anthropologie : Erbgut des Uramerikaners entziffert

Forscher haben das Erbgut des "Kennewick"-Menschen entziffert. Die Analyse belegt die nahe Verwandtschaft mit den indigenen Ureinwohnern.

Sascha Karberg

Für Forscher sind die 9000 Jahre alten Überreste des „Kennewick“-Menschen, der 1996 in der Nähe des gleichnamigen Dorfes nahe Seattle gefunden wurde, eine wertvolle Informationsquelle. Für Stammesvertreter amerikanischer Ureinwohner ist der „Ancient One“ ein Verwandter, den sie respektvoll begraben wollen. Bislang wurden diese Ansprüche aber angezweifelt, denn die anatomischen Merkmale konnten nicht eindeutig klären, ob der Kennewick-Mann eher mit heutigen Indianerstämmen als mit asiatischen Völkern verwandt ist. Jetzt hat ein Forscherteam um Eske Willerslev das Erbgut des „Ancient One“ aus Zellresten in einem Handwurzelknochen entziffert. Demnach stammen die Knochen von einem Individuum, das näher mit amerikanischen Ureinwohnern als mit jeder anderen lebenden Menschenpopulation verwandt sei, schreibt der Evolutionsbiologe von der Universität Kopenhagen im Fachblatt „Nature“.

Das ist insofern eine Überraschung, als die ersten morphologischen Untersuchungen nach dem Knochenfund die größte Ähnlichkeit in pazifischen Populationen wie den Ainu und Polynesiern erkannt haben wollten. Den Vergleichen mit Gendaten amerikanischer Ureinwohner nach gehörte der Kennewick-Mann aber offenbar zu einer Population, aus der sich mehrere der heutigen Stämme entwickelt haben, darunter auch die zwölf Stämme der Colville Reservation wie die Wenatchee, Nespelem oder Okanogan.

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