Antike Rekorde : Empfang bei Caligulas Pferd

Feigen in Blattgold, furchtsame Statuen, brutale Hinrichtungen – schon die Römer gierten nach Sensationsmeldungen.

Jana Bohlmann

Wer gewann die ersten Olympischen Spiele? Wer feierte die opulentesten Feste? Wer war der brutalste Herrscher? Bereits in der Antike beschäftigten sich Geschichtsschreiber mit Rekorden. Schriften über seltsame Höchstleistungen wurden als Paradoxa oder bei den Römern als Mirabilia (Wunderdinge) bezeichnet und waren vergleichbar mit der heutigen Regenbogenpresse. Nun haben die schwedischen Altertumsforscher Cecilia und Allan Klynne aus historischen Quellen 777 Höchstleistungen im „Buch der antiken Rekorde“ (C. H. Beck-Verlag) zusammengetragen.

So berichtet der römische Schriftsteller und Verwaltungsbeamte Sueton darüber, wie Kaiser Caligula sein Lieblingspferd Incitatus verwöhnte. Siegte es bei einem Rennen, lud er das Tier zum Essen ein. Es wurde mit vergoldetem Getreide und Wasser aus goldenen Kelchen belohnt. In einem überschwänglichen Moment rief Caligula das Pferd sogar zum Konsul aus. Außerdem besaß es ein eigenes komplett eingerichtetes Haus, in dem es Gäste empfangen konnte.

Der erste Sieger der ersten Olympischen Spiele im Jahre 776 v. Chr. hieß, laut Pausanias, Koroibos aus Elis. Er siegte in der damals einzigen Disziplin, dem Laufen. Kyniska, die Tochter des Spartanerkönigs Archidamos, gewann im 4. Jahrhundert v. Chr. ein Pferderennen und war damit die erste bei Olympischen Spielen siegreiche Frau. Im Vergleich zu heute spielten Sportrekorde jedoch in der Antike keine übergeordnete Rolle. „Damals wollte man sich überbieten in der Großartigkeit, aber nicht im Sinne eines messbaren Rekords, sagt Joachim Raeder, Kustos der Antikensammlung in Kiel.

Der Begriff „Rekord“ soll laut Cecilia und Allan Klynne erst im 19. Jahrhundert in England geprägt worden sein. Dort begann man damals, die ersten Aufzeichnungen (records) von Sportergebnissen festzuhalten. Das bestätigt Holden Härtl vom Institut für Anglistik und Amerikanistik der Berliner Humboldt-Universität. Die englische Bezeichnung „record“ für „Spitzenleistung“ habe sich erst im späten 19. Jahrhundert durchgesetzt. „Zuvor meinte es: aufzeichnen, wiederholen, erinnern“, sagt Härtl. So liege der Schluss nahe, dass mit „record“ die Spitze einer solchen Aufzeichnung bezeichnet worden sei.

Die luxuriösesten Snacks gab es wohl bei Alexander dem Großen. Das Dessert, das aus Nüssen, Feigen und anderem Naschwerk bestand, war in Blattgold gehüllt. Die Partygäste packten die Leckerei aus und warfen den „goldenen Abfall“ auf den Boden. Das hatte auch sein Gutes, denn die Sklaven, die anschließend sauber machen mussten, durften behalten, was sie fanden. Diese Geschichte geht auf den griechischen Redner und Grammatiker Athenaios zurück.

Der Historia Augusta, einer spätantiken Sammlung von 30 Biografien römischer Kaiser, entstammt folgende Anekdote: Das ekelhafteste Essen ließ wohl Kaiser Commodus den von ihm gefürchteten und zugleich gehassten römischen Senatoren vorsetzen. Er servierte ihnen edle Speisen, in die er Exkremente hatte mischen lassen. Doch die Quelle für diese Geschichte ist fragwürdig. „Die beschriebenen Kaiser lebten zum Teil mehrere Jahrhunderte vor der Niederschrift der Historia Augusta“, sagt Raeder.

Bereits antike Autoren zweifelten an dem Wahrheitsgehalt einiger Anekdoten. So bezeichnete der griechische Geograf Strabon vieles, was der berühmte Geschichtsschreiber Herodot verfasst hatte, als Unsinn. Der römische Philosoph Seneca der Jüngere vermutete, dass einige seiner Kollegen ihre Darstellungen mit verblüffenden Ereignissen aufzuwerten versuchten, damit die Leser nicht die Lektüre vorzeitig beendeten. Außerdem waren schriftliche Zeugnisse in der Antike noch immer relativ selten. Nachrichten verbreiteten sich durch mündliche Überlieferung.

Dabei war auch von einer sehr grausamen Hinrichtung die Rede, die Kaiser Aurelian in seiner Regierungszeit (270 bis 275 n. Chr.) veranlasste. Bei dem Schuldigen handelte es sich um einen Soldaten. Er hatte die Frau des Hausherrn, bei dem er einquartiert worden war, verführt. Der Kaiser ließ die Wipfel zweier Bäume nach unten biegen und die Füße des Soldaten daran festbinden. Als man die Bäume hochschnellen ließ, wurde der Mann in der Mitte zerrissen.

Der zynische Kaiser Claudius sah wohl den meisten Gladiatoren beim Sterben zu. Diese mussten entweder gegeneinander kämpfen oder wurden wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen. Cassius Dio schreibt, aufgrund der schrecklichen Szenen sei eine Statue des Kaisers Augustus aus der Arena entfernt worden, damit diesem der Anblick der Grausamkeiten erspart bliebe. Anders als Claudius soll Kaiser Serverus Alexander eher friedfertig gewesen sein. Er erfreute sich an Hundewelpen in der Arena, die mit Ferkelchen spielten und veranstaltete Kämpfe zwischen Rebhühnern. Jana Bohlmann

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