Appetitzügler : Ballaststoff gegen zu viele Pfunde

Gärprodukte, die im Darm aus bestimmten schwer verdaulichen Pflanzenstoffen entstehen, sättigen nicht nur sondern hemmen auch die Fettspeicherung - indem sie appetithemmende Hormone freisetzen.

Gemüse ist reich an Ballaststoffen - und setzen appetithemmende Hormone frei.
Gemüse ist reich an Ballaststoffen - und setzen appetithemmende Hormone frei.Foto: ddp

Ballaststoffe sind nicht nur gesund, weil sie die Darmtätigkeit anregen und den Blutzuckerspiegel senken. Sie helfen auch, das Körpergewicht zu regulieren. Lösliche Ballaststoffe werden zum Teil durch Bakterien im Dickdarm abgebaut. Dabei entstehen Gärprodukte wie Propionsäure, die appetithemmende Hormone freisetzen.

Britische Forscher haben nun einen chemisch veränderten Ballaststoff eingesetzt. Bei dessen Abbau erzeugen die Darmkeime besonders viel Propionsäure. Damit ist es gelungen, Appetit und Gewichtszunahme sowie die Speicherung von Bauchfett bei Testpersonen zu verringern, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Gut“. Ob sich der speziell entwickelte Ballaststoff als Nahrungsergänzungsmittel für Fettsüchtige eignet, müssen Studien noch zeigen.

Bremse für die Kalorienzufuhr

„Unsere Studien liefern erstmals einen direkten Hinweis darauf, dass Propionsäure im Dickdarm kurzzeitig die Kalorienzufuhr reduzieren kann und über einen längeren Zeitraum eine Zunahme des Körpergewichts bei Menschen bremst“, schreiben die Forscher um Gary Frost vom Imperial College London.

Die meist pflanzlichen Ballaststoffe gelangen unverdaut in den Dickdarm. Während die wasserunlöslichen Anteile wie Zellulose unverändert ausgeschieden werden, bauen Bakterien wasserlösliche Bestandteile wie Inulin teilweise ab. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, hauptsächlich Propionsäure (Propionat), Buttersäure und Essigsäure. Insbesondere Propionat regt Darmzellen dazu an, zwei appetithemmende Hormone (PYY und GLP-1) freizusetzen.

14 Prozent weniger Kalorien

In einer ersten Studie wollten die Forscher gezielt den Propionatgehalt im Dickdarm von Testpersonen erhöhen. Als Transportmittel nutzten sie Inulin, ein Gemisch aus Polysacchariden, an das Propionsäure angelagert worden war. Die Probanden verzehrten zehn Gramm des Inulin-Propionat-Esters, aus dem erst beim bakteriellen Abbau im Dickdarm große Mengen an Propionat freigesetzt wurden. Wenn man das Propionat in reiner Form direkt verabreichen würde, könnte es nicht in den Dickdarm gelangen, da es vorher aufgenommen würde. Nach Konsum des propionathaltigen Ballaststoffs nahmen die Testpersonen während eines anschließenden Buffets 14 Prozent weniger Kalorien zu sich als nach Verzehr des chemisch unveränderten Ballaststoffs.

An einer zweiten Studie nahmen 49 Übergewichtige zwischen 40 und 65 Jahren teil, wovon eine Gruppe 24 Wochen lang täglich zehn Gramm Inulin-Propionat-Ester einnahm; die anderen konsumierten die gleiche Menge unverändertes Inulin. Der Propionatzusatz verringerte die Zunahme des Körpergewichts, die Menge an Bauchfett und die Fettablagerung in der Leber. Dieser Langzeiteffekt des Propionats war allerdings nicht mit einem dauerhaft erhöhten Spiegel der Sättigungshormone verbunden. (wsa)

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