Arbeitsmarkt : Deutschland gehen die Fachkräfte aus

Der Mangel an Facharbeitern könnte den Aufschwung in Deutschland abwürgen, befürchtet die Entwicklungsorganisation OECD. Hochqualifizierte Arbeitnehmer seien schon jetzt so knapp, dass der Arbeitsmarkt mehr Ausländer brauche.

Michael Stürzenhofecker

BerlinDie Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schlägt Alarm: "Deutschland wird sehr viel schneller und in größerem Umfang als die meisten anderen OECD-Länder auf eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung reagieren müssen", heißt es in der "Süddeutschen Zeitung". Das hieße, dass die Bundesregierung schnell reagieren müsste, um einem Arbeitskräftemangel vorzubeugen. Vor allem für Hochqualifizierte müsse schon heute die Zuwanderung erleichtert werden, um der Entwicklung beizukommen.

85.500 Euro Verdienst um in Deutschland zu bleiben

Bundesbildungsministerin Annette Schavan will weiter für eine erleichterte Zuwanderung kämpfen: "Wir müssen ganz deutlich machen, dass wir an ausländischen Talenten sehr hohes Interesse haben", sagte sie der Zeitung. Das bisherige Zuwanderungsrecht mache es Arbeitnehmern schwer: 85.500 Euro müssen sie verdienen, um in Deutschland zu bleiben, auch für Hochschulabsolventen viel Geld. Brigitte Pothmer von den Grünen findet das "absurd hoch" und spricht deshalb von einem "Verhinderungsinstrument". Dabei sei Deutschland laut OECD neben Japan und Italien das einzige Industrieland, in dem die Erwerbsbevölkerung schon jetzt schrumpft.

Derzeit sind es vor allem Ingenieure, die den Firmen fehlen. Jeder dritte Betrieb im verarbeitenden Gewerbe habe Probleme, Stellen zu besetzen. Unter der Ägide Schröder gab es eine ähnliche Debatte, damals wurden "Greencards" für Informatiker gefordert. Denn inzwischen sehen sich auch die Arbeitgeber einem internationalen Wettbewerb um die besten Fachkräfte ausgesetzt. Das Magazin "Wirtschaftswoche" ließ die Consultingfirma "Universum Communications" 11.750 Studenten in Deutschland nach ihren Jobfavoriten fragen.

Wählerische Elite

Unangefochtener Sieger auch in diesem Jahr: der Automobilhersteller "BMW". Die Bayern sind sogar bei amerikanischen Ingenieuren auf dem vierten Platz gelandet. Weltweit produzierende Unternehmen müssen an allen Märkten um die Besten kämpfen. So erfolgreich wie die Autobauer ist dabei allenfalls die Deutsche Bank. Neben der Medienpräsenz spielen da auch Praktikumserfahrungen, die Attraktivität des Produkts und der Erfolg des Unternehmens eine Rolle. Ein Grund, warum Siemens in letzter Zeit stark abrutschte.

Betrachtet man jedoch nur die besten 25 Prozent eines Jahrgangs, rutscht der bayerische Autobauer ab. Die Elite der Naturwissenschaftler lässt sich vor allem von Forschungsmöglichkeiten locken. Die Wirtschaftswissenschaftler hingegen zieht es zu Unternehmen mit guten Aufstiegsmöglichkeiten und den besten Trainee-Programmen. Bei der Lufthansa etwa darf der elitäre Nachwuchs sein Programm fast komplett selbst gestalten. Der weltweite Kampf um die Talente hat begonnen.

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