Archäologie : Pyramiden in Peru

Berliner Archäologen verkünden den Fund und ein sensationell frühes Datum für das erste peruanische Gebäude überhaupt – und zugleich für die ersten Pyramiden.

Michael Zick

Das ägyptische Reich, das die Pyramiden hervorbringen sollte, existierte noch nicht, da schichteten Menschen in den Flusstälern der peruanischen Anden Lehmziegel zu gigantischen Bauten. Ein solches Bauwerk gruben Berliner Archäologen in den vergangenen Jahren aus. Jetzt haben sie ihre Kampagne abgeschlossen – und verkünden ein sensationell frühes Datum für das erste peruanische Gebäude überhaupt – und zugleich für die ersten Pyramiden: Die Grundsteinlegung sei 3500 v. Chr. erfolgt, rund 1000 Jahre vor den ägyptischen Pyramiden. Die peruanischen Pyramiden strebten mit 40 bis 60 Meter zwar nicht in ägyptische Höhen. In Länge und Breite überrundeten die unbekannten Baumeister ihre späteren Kollegen jedoch. Ein peruanischer Kultkomplex dehnt sich mit Pyramide und Prozessionsstraße über zwei Kilometer.

Das Archäologenteam um Peter Fuchs vom Lateinamerika-Institut der Freien Universität und Renate Patzschke, Chefin einer Berliner Archäologie-Firma, hatte im Casma-Tal, 370 km nördlich der Hauptstadt Lima, mit Sechín Bajo eine um 2000 v. Chr. errichtete Tempelanlage ausgegraben. An einer Außenecke des Komplexes stießen die Berliner im Boden auf gestaffelte Mauerzüge aus Lehmziegeln, die durch Funde von organischem Material eindeutig auf ein Alter von 5500 Jahren datiert werden konnten.

Diese Großarchitektur scheint in Nordperu schon früh Standard gewesen zu sein. Allein im Casma-Tal gibt es rund 50 solcher Monumentalbauten, von denen heute freilich viele bis zur Unkenntlichkeit erodiert sind. Die meisten von ihnen entstanden ab 2000 v.Chr. Caral, die als bislang als älteste Stadt Südamerikas titulierte Monumentalanlage, wurde um 2500 v. Chr. errichtet.

Die archäologischen Funde der letzten Jahre in Peru stellen das gängige Modell von der Kulturentwicklung der Menschheit in Frage. Großarchitektur ist demnach nicht, wie es bislang Lehrmeinung war, an Sesshaftigkeit und Keramik, Ackerbau und Viehzucht gebunden. Die altperuanischen Architekten waren Fischer, Jäger und Sammler ohne Schrift und tönerne Kochtöpfe. Man weiß nichts über die Menschen. Über den Zweck der aufwendigen Bauten kann man auch nur spekulieren. Amerikanische Archäologen sehen hier gern schon staatliche Strukturen mit Verwaltungs- und Versorgungseinrichtungen, stehen damit aber ziemlich allein. Peter Fuchs vertritt eine strikt entgegengesetzte Meinung und sieht hier Gemeinschaftsunternehmungen einer weitgehend egalitären Gesellschaft.

Nur eins dürfte sicher sein: Die Lehmziegelgebäude, die großen vertieften runden Plätze und Zeremonialstraßen waren durchstrukturierte Gesamtanlagen für kultische Rituale oder gemeinschaftsfördernde Veranstaltungen.

In der diesjährigen Grabungskampagne legten Patzschke und Fuchs drei ineinander gebaute, vertiefte runde Plätze frei. Sie entstanden ebenfalls um 3500 v.Chr. Auch dieser Komplex wird als eine kultische Anlage gedeutet. Michael Zick

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