Astronomie : Die Wirbel der Venus

Auf dem Planeten stürmt es heftig

Ralf Nestler

Bis in die fünfziger Jahre galt die Venus als Schwesterplanet der Erde. Nicht wenige glaubten, dass es unter der dicken Wolkenschicht üppiges Leben geben könnte. Doch je mehr Forscher über die Venus herausfanden, desto mehr sanken die Chancen für einen Lebensraum in nächster Nachbarschaft: Die Oberfläche ist 400 Grad Celsius heiß, der Luftdruck 92-mal so groß wie auf der Erde und die Wolken bestehen nicht aus Wasserdampf, sondern meist aus Schwefelsäure.

Dennoch gibt es einige Ähnlichkeiten mit unserem Planeten, die Zirkulation in der Atmosphäre zum Beispiel. Darüber berichtet ein Team um Dmitry Titov vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau im Fachblatt „Nature“ (Band 456, Seite 620). Ihre Wetterbeobachtungen basieren auf Messdaten der Sonde „Venus Express“, die seit zweieinhalb Jahren unseren Nachbarplaneten umkreist.

Demzufolge heizt die Sonne auch auf der Venus die Luft in Äquatornähe kräftig auf, so dass sie aufsteigt, über Hunderte Kilometer in Richtung der Pole strömt und am Boden zurückkehrt. Auf der Erde bringt ein derartiger Kreislauf Passatwinde und Monsunregen hervor. In den höheren Breitengraden der Venus fliegen die Wolken vor allem parallel zum Äquator – auch diese Bewegungsrichtung kennt man von der Erde.

Riesiger Wolkenwirbel über dem Südpol

Mit einem Infrarotsensor haben die Forscher zudem die Wolkenhöhe vermessen – mit einem erstaunlichen Ergebnis. Jenseits der Pole enden die Nebel aus Schwefelsäuretröpfchen ziemlich genau in 72 Kilometern Höhe. Nur über dem Südpol reichen die Wolken lediglich bis in 64 Kilometer Höhe und formen dort einen riesigen Strudel. „Mit den Daten können wir jetzt die Windgeschwindigkeiten in verschiedenen Höhen besser abschätzen“, sagt Titov. Und die sind enorm. Teilweise jagen die Wolken mit mehr als 400 Kilometer pro Stunde über die Venus hinweg.

Eine wichtige Frage bleibt aber nach wie vor unbeantwortet. Die Sensoren für ultraviolettes Licht haben große dunkle Flecken entdeckt. Doch welche Substanz das UV-Licht absorbiert, ist weiter unklar. Immer wieder kursiert die Vermutung, dass es Organismen sind, die diese Strahlung zur Energiegewinnung nutzen. „Es gibt zwar Studien, die zeigen, dass es in der Atmosphäre prinzipiell Leben geben kann“, sagt Wojciech Markiewicz, Mitautor der Studie. „Aber solche Mikroben konnte noch keiner nachweisen.“

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