Astrophysik : 120 Gammateleskope für Chile und die Kanaren

Schwarze Löcher und Sternenexplosionen: Astronomen wollen kosmische Gammastrahlen aufspüren und so mehr über extreme Orte des Universums lernen. Bis 2023 sollen die Geräte stehen.

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Künstlerische Abbildung des Gammyteleskop-Arrays
Auf Empfang. Der größte Teil der Gammateleskope soll in der Atacamawüste errichtet werden.Abb.: DESY/Milde Science Comm./Exozet

Mit zwei Parks von Spezialantennen wollen Astronomen extreme Orte des Universums wie supermassive Schwarze Löcher und Supernovae genauer erkunden. Dafür wollen sie keine der üblichen Licht- oder Radioteleskope nutzen, sondern Geräte, die Gammastrahlung detektieren. Auf diese Weise hoffen sie, mehr über die physikalischen Vorgänge in diesen kosmischen Objekten zu erfahren. Zudem gelten kosmische Gammastrahlen als mögliche Spur zur Dunklen Materie, die bisher noch nicht nachgewiesen wurde.

Die Kosten werden auf 200 Millionen Euro geschätzt

Für die Messungen soll ein Verbund von Gammateleskopen, genannt CTA (Cherenkov Telescope Array), errichtet werden. Die CTA-Initiative, an der neben Deutschland 30 weitere Länder beteiligt sind, hat sich nun auf zwei Standorte geeinigt. Rund 100 Teleskope sollen nahe der Europäischen Südsternwarte in Paranal (Chile) aufgestellt werden und etwa 20 auf der Kanareninsel La Palma, heißt es in einer Mitteilung. Der Standort in der Atacamawüste gewann wegen der trockenen und abgeschiedenen Bedingungen, die für Astronomen ideal sind. La Palma punktete ebenfalls mit einem sauberen Himmel. Zudem stehen dort bereits Gammateleskope. Die Arbeiten sollen 2016 beginnen, der gesamte Verbund bis 2023 stehen. Die Kosten werden auf 200 Millionen Euro geschätzt.

Da mehrere Geräte zusammengeschaltet werden und die Technik zudem verbessert wird, soll das CTA zehnmal empfindlicher für Gammaquellen sein als bisherige Geräte wie das HESS-Teleskop in Namibia.

Lichtblitz für das menschliche Auge nicht sichtbar

Kosmische Gammastrahlung entsteht dort, wo extrem viel Energie umgesetzt wird, etwa bei Sternenexplosionen. Sie kann auf der Erde nicht direkt gemessen werden, weil sie mit der Atmosphäre reagiert. Trifft ein Gammaquant auf ein Luftmolekül, entstehen „Sekundärteilchen“, die einen kurzen Lichtblitz erzeugen, der nur wenige Milliardstelsekunden dauert: das „Tscherenkow-Licht“. Es ist für das menschliche Auge nicht sichtbar, aber für die Teleskope. Anhand ihrer Daten lässt sich der Weg zurückverfolgen bis zur Quelle – und verrät den Forschern so mehr über die fernen Objekte.

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