Atomausstieg : Gefährliche Rückkehr zur Kohle

In den USA wurde zeitweise Kernenergie durch Strom aus Kohle ersetzt. Das Ergebnis war schmutzigere Luft und ein geringeres Geburtsgewicht.

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In die Luft. Ein Braunkohlekraftwerk im sachsen-anhaltinischen Schkopau.
In die Luft. Ein Braunkohlekraftwerk im sachsen-anhaltinischen Schkopau.Foto: imago/Rainer Weisflog

Der Verzicht auf Kernenergie kann unerwartete negative Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung haben. Das ergab eine Studie des Ökonomen Edson Severnini von der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh. Wie Severnini herausfand, führte der Ersatz des Atomstroms durch Kohlestrom in den USA infolge der dadurch gestiegenen Luftverschmutzung möglicherweise zu negativen gesundheitlichen Folgen bei Kindern.

Severnini untersuchte den zeitweisen „Atomausstieg“ in Amerika nach dem Zwischenfall auf Three Mile Island. Dort war es 1979 in einem Atomkraftwerk zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. In der Folge wurden die Kernkraftwerke in den USA überprüft und 1985 zwei große Anlagen in der Region Tennessee Valley auf Jahre abgeschaltet. Sie wurden vollständig durch Kohlekraftwerke ersetzt. Das führte, wie Severnini im Fachblatt „Nature Energy“ feststellt, zu deutlich mehr Luftverschmutzung in den Landkreisen, in denen der Kohlestrom erzeugt wurde. Wie der Wissenschaftler feststellte, ging das Geburtsgewicht in den am stärksten betroffenen Regionen um im Mittel 134 Gramm (das entspricht mehr als fünf Prozent) zurück.

Geringes Geburtsgewicht schmälert die Gesundheit lebenslang

Das Geburtsgewicht gilt als wichtiger Maßstab sowohl für die Gesundheit des Kindes wie des späteren Erwachsenen. Kinder, die zu leicht auf die Welt kommen haben mehr Probleme mit ihrer Gesundheit und Entwicklung; auch die Intelligenz kann geschmälert sein. Im späteren Leben ist vor allem das Risiko für Herz-Kreislauf-Todesfälle umso höher, je geringer das Geburtsgewicht war.

Auf welche Weise Luftverschmutzung das Ungeborene beeinträchtigt, wird noch erforscht. Diskutiert werden Entzündungsprozesse und oxidativer Stress in den Zellen. Severnini schätzt, dass zwei Drittel des geringeren Geburtsgewichts durch verzögertes Wachstum im Mutterleib und ein Drittel durch frühere Geburt hervorgerufen wurden.

Es liegt nahe, darüber zu spekulieren, welche Folgen der Atomausstieg in Deutschland für die Gesundheit der Bevölkerung und insbesondere die der Kinder hat. Trotz Energiewende ist der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung mit mehr als 40 Prozent unverändert hoch. Der massive Ausbau des Wind- und Solarstroms gleicht lediglich den zunehmenden Verlust der Kernenergie aus.

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