Wissen : Auch die Lehre könnte eine Rolle spielen Wie der Wettbewerb fortgesetzt werden soll

Uwe Schlicht

Bei einer Fortsetzung des Elitewettbewerbs könnte auch die Lehre eine Rolle spielen. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, sagte gestern in Berlin, dass sehr gute Forschungsuniversitäten weltweit immer die Forschung im Zusammenhang mit der Lehre konzipieren. Bei einer Fortsetzung des Wettbewerbs in Deutschland könne man daher künftig bei der Prüfung der Zukunftskonzepte der Universitäten auch berücksichtigen, wie sich die Universität in der Lehre aufstelle.

Einen eigenen Exzellenzwettbewerb in der Lehre werde es aber in absehbarer Zeit in Deutschland nicht geben, erklärte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner. Erst müsse die Lehre an den deutschen Hochschulen in ihrer ganzen Breite verbessert werden, bevor man überhaupt an eine Exzellenzinitiative denken könne. Der Wissenschaftsrat will Kriterien für eine gute Lehre zum Gegenstand einer Empfehlung machen, die im Januar veröffentlicht werden soll.

Selbst wenn gute Lehre als ein Kriterium neben anderen im Elitewettbewerb aufgenommen werde, solle es weiterhin nur um die Exzellenz von Universitäten gehen. Fachhochschulen würden nicht berücksichtigt. Nach wie vor solle die Exzellenz in den drei Förderlinien Graduiertenschulen, Forschungscluster und Zukunftskonzepte für die gesamte Universität geprüft werden. Über die Fortsetzung entscheiden Bund und Länder 2009.

DFG-Präsident Kleiner wies darauf hin, dass 80 Prozent der im Exzellenzwettbewerb bewilligten Mittel – 1,6 Milliarden Euro – für die Einstellung von neuem Personal aufgewandt werden. Wenn man dieses Geld richtig aufteile, könnten damit mehrere Hundert Professoren und Juniorprofessoren eingestellt werden und etwa 3500 Doktoranden und studentische Hilfskräfte. 25 Prozent der Exzellenzcluster seien dieses Mal an die Geistes- und Sozialwissenschaften gegangen, 28 Prozent an die Lebenswissenschaften, 31 Prozent an die Naturwissenschaften und 26 Prozent an die Ingenieurwissenschaften.

In den nächsten zwei Wochen werden die Universitäten die Finanzbescheide erhalten. Schon heute zeichnet sich ab, dass die ersten Berliner Schätzungen zu hoch liegen. Nahezu 300 Millionen Euro werden nicht in den nächsten fünf Jahren nach Berlin fließen. Die Summe wird eher bei über 200 Millionen Euro liegen. Strohschneider und Kleiner wiesen Vermutungen zurück, dass die Humboldt-Universität zu Berlin mit ihrem Zukunftskonzept deswegen gescheitert sei, weil dieses von Präsident Christoph Markschies verfasste Konzept zu viel heiße Luft enthalten habe. Bei allen Entscheidungen in der Endrunde sei es nur noch um die Differenz zwischen sehr guten und exzellenten Konzepten gegangen. Uwe Schlicht

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