Aufklärungsarbeit für Flüchtlinge : Studierende werden Lotsen für Flüchtlinge

Das Avicenna-Studienwerk startet Ausbildung der Stipendiaten aller Förderwerke zu Flüchtlingslotsen. Pro Jahr werden 160 Stipendiaten trainiert.

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Helfen. Die Stipendiaten des Avicenna-Studienwerks und aller anderen Begabtenförderwerke sollen unter anderem Bildungsangebote für Kinder und Mütter machen.
Helfen. Die Stipendiaten des Avicenna-Studienwerks und aller anderen Begabtenförderwerke sollen unter anderem Bildungsangebote für...Foto: dpa

„Mein Vater war Flüchtling aus Palästina, er hat sich nirgends zu Hause gefühlt und hatte große Probleme, hier zurechtzukommen“, sagt die Architekturstudentin Lyla Abu-Yahya. „Ihm hat damals niemand geholfen. Das soll sich nicht wiederholen, die jetzigen Geflüchteten sollen sich hier heimisch fühlen – und dazu brauchen sie Hilfe.“ Lyla Abu-Yahya ist eine von 160 Stipendiatinnen, die sich vom Avicenna-Studienwerk im Projekt „Unsere Zukunft. Mit Dir!“ zu Flüchtlingslotsen ausbilden lassen. Jetzt wurde das Programm im Berliner Museum für Islamische Kunst vorgestellt.

Idee und Slogan wurden im vergangenen Jahr bei der Sommerakademie der Avicenna-Stipendiaten geboren. Was könnte man zum Opferfest für Geflüchtete tun? Die Wahl fiel auf syrische Schulkinder, deren Einschulung in die Willkommensklassen unmittelbar bevorstand. In einer Sammel- und Bastelaktion entstanden 135 gut gefüllte Schultüten, die die Stipendiaten in einer Notunterkunft überreichten – mit einer Erklärung für Kinder und Eltern zum Brauch der Schultüte. Auf einer Tüte stand „Unsere Zukunft. Mit Dir!“

Finanziert wird das Programm zur Ausbildung von Flüchtlingslotsen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 600 000 Euro für zwei Jahre. Auch Stipendiaten anderer Studienwerke können teilnehmen. Die künftigen Lotsen werden an einem langen Wochenende geschult, lernen unter anderem etwas über Asylrecht, interkulturelles Konfliktmanagement, Mentoring und verschiedene Bildungsangebote für Mütter und Kinder. Nach der Schulung sollen sie idealerweise an acht Standorten drei bis fünf Aktionen pro Jahr für Geflüchtete veranstalten.

„Ich habe mich gemeldet, weil ich in Chemnitz Aufklärungsarbeit leisten möchte, um die abstrakte Angst zu mildern. Wir sind gar nicht so anders, wir können auch viel von den Geflüchteten lernen“, erzählt Neslihan Altun, die in Chemnitz Europa-Studien studiert. „Die Angst kommt von fehlenden Kontakten, und die müssen wir herstellen.“

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