Wissen : Aufpasser zum Anziehen

03.05.2012 00:00 Uhrvon
Beim Prototypen des „Lifeshirts“ ist die Technik zu sehen. Später sollen die Sensoren eingenäht werden. Foto: TZI/Fraunhofer
Beim Prototypen des „Lifeshirts“ ist die Technik zu sehen. Später sollen die Sensoren eingenäht werden. Foto: TZI/Fraunhofer

Sensoren in der Kleidung warnen vor Unfällen.

Erst kreischt die Säge, dann der Baumfäller: Verletzungen durch Kettensägen zählen mit zu den häufigsten Arbeitsunfällen. Das Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) an der Universität Bremen hat jetzt ein System entwickelt, mit dem sich Forstarbeiter und Gärtner besser schützen können. Nach Angaben des TZI-Informatikers Peter Hoffmann wurde eine handelsübliche „Schnittschutzhose“, also eine besonders verstärkte Latzhose, mit kleinen Sensoren ausgerüstet. Über einen Minisender stehen sie in Kontakt zu einem Empfänger an der Motorsäge. Kommen sich Mensch und Maschine zu nahe, geht die Säge automatisch aus.

„Horst“ heißt der Prototyp – eine Mischung aus „Hose“ und „Forst“.

Die Entwicklung kostete fast eine Million Euro aus dem Etat des Bundesforschungsministeriums. Jetzt muss nur noch ein Hersteller gefunden werden, der das Produkt zur Marktreife bringt, sagt Hoffmann.

Auch Feuerwehrleute können von Mini-Computertechnik in der Kleidung profitieren: Ein neuer „Gesten- und Datenhandschuh“ des TZI ermöglicht Brandbekämpfern künftig die schnelle, wortlose Verständigung auch ohne Sichtkontakt. Bewegungssensoren im Sendehandschuh setzen bestimmte Gesten in Funksignale um. Die bringen beim Einsatzleiter einen Empfangshandschuh zum Vibrieren. An der Art der Vibrationen kann er erkennen, welche Probleme der Kollege gerade hat.

Zu den Neuentwicklungen des TZI zählt auch ein „Lifeshirt“: eine westenähnliches, hautenges Kleidungsstück, das vor allem für chronisch kranke Herz- und Lungenpatienten gedacht ist. Kleine Sensoren messen den Herzschlag sowie Veränderungen des Brustkorbvolumens und somit die Lungenfunktion, erläutert Hoffmann. Gespeichert werden die Daten zunächst in einem Minicomputer namens „Data Handler“, der in die Westentasche passt. Bei besonders gefährdeten Patienten können die Befunde aktuell von dem Gerät an das Mobiltelefon des Kranken und von dort an eine Notfallzentrale gesendet werden.

Vor allem aber soll das System die Langzeitüberwachung erleichtern. Wenn chronisch Kranke ihren Arzt aufsuchen, lassen sich die gesammelten Daten auf den Praxiscomputer überspielen. Oder der Patient sendet die Aufzeichnungen schon vorab per Internet.

Vier Jahre lang hat das TZI an dem Prototypen getüftelt, zusammen mit einem Textilhersteller und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen. Die EU finanzierte das Projekt mit 10,4 Millionen Euro. Jetzt soll die Textilfirma die Weste zur Serienreife bringen. Bis zur Markteinführung dürfte es aber noch zwei bis drei Jahre dauern, schätzt der Informatiker Hoffmann. Eckhard Stengel

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