• Aufschrei der wissenschaftlichen Mitarbeiter: „Professur oder nichts, top oder hopp“

Aufschrei der wissenschaftlichen Mitarbeiter : „Professur oder nichts, top oder hopp“

Zwei-Monats-Verträge, Druck vom Chef und die Angst, auf der Straße zu stehen: Wissenschaftliche Mitarbeiter an Universitäten und Forschungsinstituten berichten über ihre Arbeitsverhältnisse.

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Zwei Lehre Stühle stehen in einem Bibliotheksraum auf einem leicht erhöhten Podium.
Platz da. Nachwuchswissenschaftler wollen forschen und lehren – auch auf festen Dozentenstellen unterhalb der Professur. Im Bild...Foto: Mike Wolff

Zehntausende wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten unter prekären Bedingungen – mit kurzen Vertragslaufzeiten und vielfach nur halben Stellen. Aussichten auf eine Professur haben nur die wenigsten, ansonsten gibt es aber kaum Dauerstellen. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) versprach jetzt in der „SZ“ eine baldige Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes, mit der Vertragslaufzeiten festgeschrieben werden sollten, die der Projektdauer oder der Qualifikationszeit entsprechen. Für Daueraufgaben an Unis müsse es zudem Dauerstellen geben. „Das würde bedeuten, dass jemand, der 12 Stunden oder mehr unterrichtet, ebenso eine feste Stelle bekommen müsste wie Wissenschaftsmanager, die etwa Drittmittel einwerben“, kommentiert GEW-Vize Andreas Keller.

Die SPD will weiter gehende Regelungen als Wanka und fordert einen „Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs“, mit dem zusätzliche Professuren und mehr feste Mittelbaustellen finanziert werden. Zu hören ist auch, dass Wanka isoliert sei und eine Gesetzesnovelle erst in ihrer Fraktion durchsetzen müsse.

Hier berichten wissenschaftliche Mitarbeiter aus Berlin und Brandenburg, unter welchen Bedingungen sie arbeiten – und worauf sie hoffen.

Meta Kambach (32), bis Mai 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Biologie der Humboldt-Universität:

Die Bilanz meiner HU-Zeit? Neun Verträge seit 2010, zwei kleine Kinder, derzeit arbeitslos. Ich habe Biologie auf Lehramt studiert und vor dem Referendariat als Büroleiterin in der Erlebnispädagogik gearbeitet. Zurück an die Uni kam ich mit einem zweijährigen Stipendium des ProMINT-Kollegs der HU. Finanziert von der Telekom-Stiftung fördert es die Unterrichtsentwicklung in Mathematik, den Natur- und Technikwissenschaften. Parallel mit der Aufbauarbeit begann ich meine Doktorarbeit über die Experimentierfähigkeiten von Lehramtsstudierenden. Neben dem Stipendium, das zwei Mal mit jeweils kürzeren Laufzeiten verlängert wurde, hatte ich zunächst eine 12-Prozent-Stelle beim Humboldt-Bayer-Mobil, einem rollenden Schülerlabor. Ich war Projektleiterin und die Stelle wurde zwischenzeitlich auf bis zu 75 Prozent aufgestockt.

Meta Kambach.
Meta Kambach.Foto: Promo/Patrick Meinhold

Eine tolle Zeit, zumal mich meine Professorin optimal unterstützt hat, Job, Promotion und Familie mit flexiblen Arbeitszeiten unter einen Hut zu bringen ich mich auch im FiNCA-Programm der HU (Frauen in den Naturwissenschaften am Campus Adlershof) gut vernetzen konnte. Deshalb hoffe ich auch, dass es jetzt mit einem Wiedereinstiegs-Stipendium klappt. Als problematisch erlebe ich die vielen Kurzfrist-Verträge: Jährlich oder halbjährlich neue Verträge auszuhandeln, versetzt uns in ständige Unsicherheit. Dabei wäre es wichtig, mehr Dauerstellen für engagierte Leute mit Interesse an Forschung und Lehre zu schaffen, die etwa in der Entwicklung der Lehre kontinuierlich dranbleiben können.

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