Aus dem Dschungel ins All : Euro-Raumsonde ist auf dem Weg zur ISS

Der europäische Raumfrachter "Edoardo Amaldi" ist am Freitagmorgen gestartet. Der unbemannte Raumfrachter bringt Kleidung, Nahrungsmittel, Treibstoff und technische Geräte zur ISS.

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Für die europäische Raumfahrt ist die Sonde "Edoardo Amaldi" auch ein Prestigeobjekt.
Für die europäische Raumfahrt ist die Sonde "Edoardo Amaldi" auch ein Prestigeobjekt.Foto: dpa

Zehn Sekunden noch, die Gespräche der Schaulustigen verstummen. Nur das Zirpen der Insekten ist noch zu hören, der Dschungel ringsum ist nachtschwarz. Bei Null leuchtet ein heller Schein am Horizont, Sekunden später trifft der Schall ein. Mit heftigem Dröhnen und Krachen erhebt sich die Ariane-5-Rakete vom Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch Guayana in den Himmel. An der Spitze des Ungetüms befindet sich das europäische Raumschiff ATV (Automated Transfer Vehicle), das Nachschub für die Internationale Raumstation (ISS) bringen soll.

Der unbemannte Frachter, der am Freitagmorgen um 1.34 Uhr Ortszeit (5.34 Uhr MEZ) in die Erdumlaufbahn geschossen wurde, trägt den Namen des italienischen Physikers Edoardo Amaldi, der unter anderem die kosmische Strahlung erforscht hat. Das ATV ist etwa so groß wie ein typischer Londoner Doppeldeckerbus und wiegt rund 20 Tonnen. Rund ein Drittel davon ist Fracht für die Station, der Rest ist für Antrieb und Steuerung der Kapsel vorgesehen, die unter der Leitung von Astrium in Bremen gebaut wurde.

Am 29. März, kurz nach Mitternacht (MESZ) soll der Frachter an der Raumstation andocken. Bis dahin umkreist er die Erde und steigt dabei schrittweise auf. In 385 Kilometern Höhe zieht derweil die ISS ihre Bahn mit rund 28.000 Kilometern pro Stunde. Das ATV ist minimal schneller, am Ende gerade sieben Zentimeter pro Sekunde. Mit diesem Tempo nähert es sich der Station von der Rückseite und soll automatisch andocken - ohne menschliche Hilfe, Astronauten greifen nur im Notfall ein. „Diese Technik könnte womöglich einmal bei zukünftigen Weltraummissionen zum Einsatz“, erläutert Michael Menking, Leiter Orbitale Systeme bei Astrium. Sei es beim Einfangen altersschwacher Satelliten oder beim Zusammensetzen einzelner Raumschiffmodule in der Erdumlaufbahn für eine bemannte Marsmission.

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