Aus für bilinguale Klassen : Streit um Deutsch an Frankreichs Schulen

Frankreich will bilinguale Klassen in der Mittelschule abschaffen. Das löst Proteste aus. Doch Botschafter Philippe Etienne sagt: Stattdessen gibt es mehr Grundschul-Unterricht in der Sprache der Nachbarn.

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In die Breite. Die Bildungsministerin verspricht sich, dass künftig mehr Kinder Fremdsprachen lernen.
In die Breite. Die Bildungsministerin verspricht sich, dass künftig mehr Kinder Fremdsprachen lernen.Foto: Pierre Verdy/AFP

Philippe Etienne, der französische Botschafter in Deutschland, verteidigt die Pariser Pläne zur Reform des Fremdsprachenunterrichts. „Die Regierung hat sich mit der Reform eine Zunahme der Deutsch Lernenden zum Ziel gesetzt“, sagte Etienne dem Tagesspiegel. Der Deutschunterricht in der Grundschule solle ausgebaut werden. Außerdem werde künftig eine größere Zahl von Schülern in der Mittelschule Deutsch als zweite Fremdsprache lernen. Damit reagiert der Botschafter erstmals auf Proteste, unter anderem von Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt.

Die zweite Fremdsprache soll früher beginnen

Mit der Reform, die Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem im April angekündigt hatte, sollen die bilingualen Klassen für Englisch und Deutsch in der Mittelschule (Collège) abgeschafft werden. Vallaud-Belkacem lehnt die Sprachklassen als „elitär“ ab, sie würden vor allem von Kindern aus der Mittelschicht besucht. Künftig solle die zweite Fremdsprache für alle Schüler in der siebten Klasse und damit insgesamt früher als bisher beginnen. Botschafter Etienne erklärt, die Reform sei notwendig, „um die durch die Pisa-Studien aufgedeckten Probleme zu beseitigen“. Frankreich sei sehr erfolgreich bei der Ausbildung der guten Schüler, „schafft es aber nicht ausreichend, die Schüler zu fördern, die schon am Ende der Grundschulzeit Defizite aufweisen“. Für Schüler, die Deutsch seit der Grundschule lernen, werde sich nichts ändern. Auch die AbiBac-Klassen im Gymnasium, von denen es in Frankreich etwas mehr gebe als in Deutschland, blieben erhalten.

"Die Verständigung in Europa ist gefährdet"

„Zutiefst besorgt“ äußerte sich jetzt auch die Deutsche Nationalstiftung. Die Verständigung in Europa sei gefährdet, etwa die von der Stiftung veranstalteten deutsch-französischen Schulbrücken für Schüler des 11. Jahrgangs. Von französischer Seite darf nur teilnehmen, wer sehr gut Deutsch spricht. Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist der Berliner Theologe Richard Schröder, Ehrenvorsitzender ist Helmut Schmidt. „Der Vorwurf des Elitären überzeugt nicht“, heißt es. Gerade bildungsfernen Schichten dürfe die Möglichkeit, auf hohem Niveau Deutsch zu lernen, nicht genommen werden.

Etienne nennt es „positiv, dass sich die Deutsch Sprechenden in Frankreich und all unsere Freunde in Deutschland um die Zukunft der deutschen Sprache in Frankreich sorgen“. Das zeige, dass man gemeinsam einen für Europa grundlegenden Wert hochhalte – „das Bewusstsein für die Vielfalt der Kulturen und Sprachen“.

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