Ausbildung : "FHs sollten Unis nicht nacheifern"

"Ratlos" nennt sich ein angehender Student, der in einem Internetforum wissen möchte, ob er nach einem Bachelor an der Fachhochschule zum Master an eine Uni wechseln kann. Er dürfte nicht der Einzige sein, der sich diese Frage stellt. Denn sie verunsichert viele Studenten.

Hand anlegen. Der Maschinenbau sucht Absolventen von Unis und FHs.
Hand anlegen. Der Maschinenbau sucht Absolventen von Unis und FHs.Foto: ddp

Zwar sind im Zuge der Bologna-Reform die Abschlüsse beider Hochschultypen formal gleichgestellt worden. In der Praxis ist der Wechsel aber nicht einfacher geworden.

Einer, der den Sprung geschafft hat, ist Johannes Lawen: Nach einem FH-Bachelor in „Bioprocess Engineering“ wechselte er zur TU Hamburg-Harburg in den Master „Process Engineering“. Heute macht er an der Texas A & M-Universität in Katar seine Abschlussarbeit. Für ihn hat sich der Schritt gelohnt: „Die TU hat einen höheren Anteil an Forschung, die Vorlesungen decken thematisch ein breiteres Spektrum ab, die Studentenschaft ist internationaler“, sagt Lawen.

Indes verwischen die Unterschiede zwischen Fachhochschulen und Universitäten zusehends. „Im Zuge des Bolognaprozesses herrscht ein verstärktes Ringen um Hochschulprofile, Abschlusstitel und Promotionsrecht“, sagt Stefan Grötzschel vom Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA). So trage die Exzellenzinitiative dazu bei, dass die Fachhochschulen den Universitäten stärker nacheiferten. Eine aus Sicht der Industrie fatale Entwicklung: Denn sie benötige sowohl die traditionell eher anwendungsorientierten FH-Absolventen als auch die stärker für die Forschung geschulten Uniabgänger. Es gelte daher, die unterschiedlichen Profile „zu schärfen, statt – wie gegenwärtig eher zu beobachten – einander anzugleichen“, empfiehlt der VDMA in einer Studie zu Abbrechern im Maschinenbaustudium.

Diese Angleichung hat die Hochschullandschaft aber keineswegs übersichtlicher gemacht. Vielmehr ist sie seit dem Start der Bologna-Reform vor zehn Jahren noch vielfältiger geworden, weil sich Hochschulen zunehmend ein eigenes Profil geben und neue Fächervarianten entstehen. Das macht einen Wechsel von der FH zur Uni nicht leichter: Einige Bachelorabschlüsse seien so spezialisiert, dass kein passender Master gefunden werden kann, sagt Grötzschel.

Für Ulrich Heublein vom Hochschulinformationssystem (HIS) in Hannover richten sich die Hochschultypen nach wie vor an eine unterschiedliche Klientel: Die FHs bedienten die „Bildungsaufsteiger“. Im Schnitt seien sie bei Studienbeginn 23 Jahre alt und würden von Praktikern aus der Industrie unterrichtet. Die Universitäten richteten sich an Abiturienten, die Erstsemester seien bei Studienbeginn im Schnitt 21 Jahre alt und würden von Forschern unterrichtet. dpa

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