Auseinandersetzung um Charité-Millionen : Ministerium will BIG-Mittel nicht sperren

Das Bundesforschungsministerium denkt offenbar nicht daran, die Anschubfinanzierung des neuen Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) zu sperren.

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Das Bundesforschungsministerium denkt offenbar nicht daran, die Anschubfinanzierung des neuen Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) zu sperren. Wie berichtet will Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, das BMBF bitten, die für das BIG vorgesehenen Mittel zu sperren – zumindest so lange, bis die Vorgänge um die fragwürdig verbuchten 40 Millionen Euro Forschungsmittel an der Charité geklärt sind. Doch in der schriftlichen Antwort auf eine Anfrage, ob das Ministerium der Bitte Mlyneks entsprechen werde, ist von einer Sperre der Mittel nicht die Rede. Stattdessen verweist ein Sprecher darauf, das BIG sei eine „eigene Rechtspersönlichkeit“. Sprich: Für das Ministerium hat das BIG nichts mit den aktuellen Vorgängen an der Charité zu tun. Die Forschungsmittel für das BIG würden ohnehin „nur bedarfsgerecht und nach entsprechender sorgfältiger Prüfung durch den Aufsichtsrat und den Zuwendungsgeber zur Verfügung gestellt“, heißt es weiter.

Das zu Helmholtz gehörende Max-Delbrück-Centrum ist Partner der Charité beim BIG. Eine Finanzsperre wäre ein Rückschlag für das Prestigeprojekt. Schließlich gilt es als Modell, wie sich der Bund dauerhaft finanziell an einer Uni beteiligen kann (die Charité ist die medizinische Fakultät von FU und HU). Bis 2018 will der Bund 90 Prozent der mehr als 300 Millionen Euro für das BIG zahlen.

Ein Hintergrund für Mlyneks Bitte ist, dass der Bund für die Jahre 2013/14 kein frisches Geld für das BIG gibt. Vielmehr zahlt die Helmholtz-Gemeinschaft die Anschubfinanzierung in der Höhe von bis zu 45 Millionen Euro aus ihrem „normalen“ Etat. Der kommt zwar zu 90 Prozent ebenfalls vom Bund, andere Helmholtz-Zentren müssen aber für das BIG auf Geld verzichten. Warum „sollten die Zentren der Gemeinschaft freiwillig auf Helmholtz-Mittel zugunsten Dritter verzichten, wenn einer der Projektpartner tatsächlich über ausreichende Mittel verfügt, die Anlaufphase selbst zu finanzieren?“, fragte Mlynek in Anspielung auf die 40 Millionen Euro der Charité.

Das Geld war von Wirtschaftsprüfern bei der Durchsicht der Charité-Finanzen gefunden worden war, der Aufsichtsrat will nichts von der Existenz der Mittel gewusst haben. Ob das Charité-Geld nicht längst doch verplant ist, ist ungeklärt. Das BMBF fordert die Charité nun auf, die Vorgänge „rückhaltlos aufzuklären“. Tilmann Warnecke

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