Auslandsstudium : Angst vor deutschen Studierenden

Bisher waren die Niederlande ein Paradies für deutsche NC-Flüchtlinge. Doch jetzt will die Regierung nicht mehr für die Deutschen zahlen. Unis, die weiter um deutsche Studierende werben, könnten bestraft werden.

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Gut studiert. Einige niederländische Unis bieten sogar deutsche Studiengänge an. Hier liest eine Studentin aber eine holländische „Studentenkrant“, also eine Studentenzeitung.
Gut studiert. Einige niederländische Unis bieten sogar deutsche Studiengänge an. Hier liest eine Studentin aber eine holländische...Foto: picture alliance / dpa

Bachelor-Fächer auch auf Deutsch! Keine NCs! So wirbt die Fachhochschule im niederländischen Venlo auf ihrer Internetseite um Studienanfänger aus dem Nachbarland. Elf Studiengänge auf Deutsch bietet die Hochschule an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen inzwischen an. Gerade für Studienbewerber aus dem Westen Deutschlands ist Venlo so – wie andere niederländischen Hochschulen – zu einer beliebten Alternative zu deutschen Unis geworden. Denn tatsächlich sind Zulassungsbeschränkungen in Holland weitgehend unbekannt. Und obwohl die Niederländer den „Moffen“ (so die abwertende Bezeichnung für die Nachbarn) prinzipiell zwiespältig gegenüberstehen, haben sie sich anders als die Österreicher und die Schweizer bisher nicht über die Deutschen an ihren Unis aufgeregt.

Doch jetzt wird auch die Ruhe im niederländischen Studentenparadies gestört. Wissenschaftsstaatssekretär Halbe Zijlstra warnte unlängst in einem Schreiben an das Parlament vor einem „ungezügelten Zustrom“ deutscher Studierender mit „ernsthaften Folgen“ für das Ausbildungsniveau. „Deutsche Studierende gefährden die Qualität der Bildung an niederländischen Universitäten und kosten das kleine Land Millionen von Euro“, heißt es laut Zeit Online in dem Papier. Jeder Student koste den Staat 6.000 Euro jährlich. Und da erheblich mehr Ausländer in den Niederlanden eingeschrieben sein als umgekehrt, ergebe sich ein Fehlbetrag von 90 Millionen Euro pro Jahr.

An den Kosten sollten sich künftig die Heimatländer beteiligen, forderte Zijlstra, allen voran Deutschland. Mit 25.000 Studierenden stellen die Deutschen nämlich 42 Prozent aller ausländischen Studierenden. Holländische Hochschulen sollten ihr Werben um deutsche Studierende einstellen – oder sie müssten mit Konsequenzen rechnen. So könnten deutsche Studiengänge geschlossen werden, bemühten sich die Hochschulen nicht um ein Gleichgewicht zwischen niederländischen und ausländischen Studierenden. Für holländische Unis ist es durchaus attraktiv, viele Studierende anzulocken. Der Staat überweist seine Zuschüsse pro Studienanfänger und Absolvent, was dem von Jürgen Zöllner in Berlin eingeführten Preismodell ähnelt. Die Studierenden zahlen zudem Gebühren. Derzeit liegen sie im Bachelor bei knapp 1.800 Euro pro Jahr für alle, die einen Wohnsitz in den Niederlanden und grenznahen Regionen nachweisen können.

Dass Zijlstra mit seiner Forderung, die Heimatländer sollten sich an den Kosten beteiligen, durchkommt, ist wenig wahrscheinlich. Die EU-Bildungskommissarin hat eine EU-weite Regelung ausgeschlossen. Der EU-Vertrag sieht zudem vor, dass sich Studierende wie Arbeitnehmer in Mitgliedsstaaten unbegrenzt bewegen dürfen. Auch die Schweiz hat sich dem angeschlossen. Hierzulande sind europäische Bewerber daher ebenfalls mit deutschen gleichgestellt, vorausgesetzt sie bringen die nötigen Sprachkenntnisse mit.

Zijlstra schlug denn zugleich vor, niederländische Studierende ermutigen zu wollen, mehr im Ausland zu studieren. Auch so könne ein Ausgleich geschaffen werden. Der Freie Zusammenschluss von Studentinnenschaften (fzs) forderte die EU-Staaten auf, die Mobilität und den freien Zugang zu allen Hochschulen in Europa zu ermöglichen. Der Streit über die Finanzierung dürfe „auf gar keinen Fall auf den Rücken der Studierenden ausgetragen werden“.

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