Auszeichnung : Chemie-Nobelpreis für drei Eiweißforscher

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an den Briten Venkatraman Ramakrishnan, den US-Amerikaner Thomas Steitz und die Israelin Ada Jonath. Sie haben herausgefunden, wie die in den Genen gespeicherten Informationen in Proteine übersetzt werden - die universellen Werkzeuge des Lebens.

StockholmWie das Nobelpreis-Komitee am Mittwoch in Stockholm mitteilte, werden die drei Forscher für ihre Arbeiten zur Struktur und Funktion der sogenannten Ribosomen ausgezeichnet.

Ribosome sind Bestandteile einer Zelle, in denen die im Erbgut gespeicherten Informationen in Eiweiße übersetzt werden. Diese Proteine dienen als Baustoffe und sind als Signalgeber in Form von Hormonen oder Enzymen an sämtlichen Abläufen im lebenden Organismus beteiligt. Die drei Forscher hätten mit Hilfe der Röntgen-Kristallografie gezeigt, wie die winzigen Eiweiß-Fabriken genau aussehen und wie sie auf atomarer Ebene funktionieren, begründete das Nobelpreis-Komitee seine Entscheidung.

Damit haben die drei Wissenschaftler entscheidend zur Entwicklung moderner Antibiotika beigetragen, die die Ribosomen und damit die Eiweißproduktion von Bakterien blockieren. Nach Angaben des Nobelpreis-Komitees haben die drei Preisträger im Jahr 2000 unabhängig voneinander dreidimensionale Modelle von Ribosomen erstellt, die heute zur Entwicklung neuer Medikamente genutzt werden. Anhand der Modelle lässt sich zeigen, wie sich verschiedene Antibiotika an die Ribosomen heften und die Bakterien so absterben lassen. Damit seien sie direkt an der „Rettung von Leben“ beteiligt, wie die Jury erläuterte.

Die 70-jährige Ada Yonath, die im israelischen Rehovot forscht, ist erst die vierte Frau, die den Chemie-Nobelpreis erhält. Sie sei bei ihrer Tochter gewesen, als das Nobelpreis-Komitee anrief, erzählte sie im schwedischen Fernsehen: „Sie ist so stolz, das hat mich noch glücklicher gemacht.“ Der 69-jährige Steitz, der an der US-Eliteuniversität Yale arbeitet, bekam den Anruf aus Stockholm am frühen Morgen.

„Glücklicherweise war ich schon aufgestanden, um ins Fitness-Studio zu gehen“, berichtete er im schwedischen Rundfunk. Der 1952 in Indien geborene Wissenschaftler Ramakrishnan, der im britischen Cambridge forscht, bedankte sich in einer ersten Reaktion bei den vielen „brillanten Studenten und Doktoranden“, die mit ihren Ideen zu den Entdeckungen beigetragen hätten.

Der Chemie-Nobelpreis ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,02 Millionen Euro) dotiert und wird am 10. Dezember verliehen.

Im vergangenen Jahr hatten zwei US-Forscher und ein Japaner die begehrte Auszeichnung erhalten. Sie wurden für die Entdeckung und Entwicklung des Grün fluoreszierenden Proteins (GFP) geehrt, mit dessen Hilfe Zellen und Zellteile im lebenden Organismus für das menschliche Auge sichtbar gemacht werden können.

Zum Auftakt des diesjährigen Nobelpreis-Reigens wurde am Montag der Medizin-Nobelpreis an die US-Australierin Elizabeth Blackburn sowie die US-Wissenschaftler Carol W. Greider und Jack W. Szostak für ihre Forschungen zur Zellalterung vergeben. Der Physik-Nobelpreis geht an den aus China stammenden US-Forscher Charles Kao und seine US-Kollegen Willard Boyle und George Smith, deren Forschungen zur Glasfaser- und Halbleitertechnik den Siegeszug des Internets und die Produktion digitaler Kameras ermöglichten. Am Donnerstag wird die Nobel-Saison mit dem Preis für Literatur fortgesetzt, am Freitag wird der Friedensnobelpreisträger bekannt gegeben. (smz/dpa/AFP)

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