Auszeichnung : Deutscher Zukunftspreis geht nach Baden-Württemberg

Mini-Sensoren für Handys, Notebooks oder Navigationsgeräte: Damit hat ein Forscherteam aus Baden-Württemberg den Deutschen Zukunftspreis gewonnen. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

BerlinMit cleveren Mini-Sensoren für Handys, Laptops oder Navigationsgeräte hat ein Forscherteam aus Baden-Württemberg den Deutschen Zukunftspreis gewonnen. Bundespräsident Horst Köhler vergab die renommierte Auszeichnung am Mittwochabend in Berlin. Die Sieger in dem bundesweiten Wettbewerb um die besten marktreifen Ideen aus den Technik-, Ingenieur- und Naturwissenschaften erhalten ein Preisgeld von 250.000 Euro. Hinter dem Siegerprojekt steht eine Tochter der Firma Bosch in Reutlingen, teilte die Zukunftspreis-Jury in Berlin mit. Mit den Sensoren, die wie elektronische Sinnesorgane funktionieren, wollen die Erfinder der Unterhaltungselektronik einen weiteren Schub geben.

"Das ist eine tolle Anerkennung, wir freuen uns riesig", sagte Jiri Marek, Sprecher des Sieger-Teams kurz nach der Auszeichnung. Noch wissen die drei Entwickler-Ingenieure gar nicht, was sie mit ihrer Prämie machen wollen. "Wir überlegen aber, es wieder im Unternehmen zu investieren", ergänzte Marek.

Weniger als einen Euro

Der Charme der Reutlinger Sensoren liegt in ihrer Größe. Nur drei Tausendstel Millimeter klein lassen sich die empfindlichen Messfühler aus Silizium unter dem Mikroskop erkennen. Sie sind damit winzig und leicht genug, um in ein Handy zu passen. "In der Globalisierung kommt es nicht auf Größe an, sondern auf Wendigkeit, Schnelligkeit und Pfiffigkeit", sagte Bundespräsident Horst Köhler während der Preisverleihung.

Interessenten dürften auch die Kosten für die Sensoren nicht abschrecken: Das preisgünstige Modell, industriell gefertigt, kostet weniger als einen Euro. Die Palette der Anwendungen für die beweglichen Messfühler ist breit. Handys lassen sich mit ihnen allein durch Bewegungen bedienen. Wird ein klingelndes Mobiltelefon auf dem Schreibtisch umgedreht, hört das lästige Gebimmel sofort auf. Computer könnten beim Sturz im bremsenden Zug vorher schnell noch ihre Daten sichern, sagen die Entwickler. Auch in der Altenpflege könnten die Messfühler Alarm auslösen, wenn ein Mensch hinfällt. Und als Drucksensoren messen die mikromechanischen Bauteile in Navigationsgeräten zum Beispiel die exakte Höhe über dem Meer.

Ins Rennen um den Zukunftspreis waren in diesem Jahr drei Projekte gegangen. Als Konkurrenten schieden Ideen für leistungsfähigere Sonnenkraftwerke und digitale Funkmikrofone aus. Ein viertes Projekt, mitwachsende Herzklappen für Kinder, war nach der Nominierung wegen eines Patentstreits vom Tüftler-Wettbewerb ausgeschlossen worden.

Ähnliche Sensoren in Autos

Ganz neu ist die Idee der Bosch-Ingenieure aber nicht. Ähnliche Sensoren gibt es bereits in Autos. Sie lösen zum Beispiel beim Schleudern den Airbag aus. Der Verdienst der Wissenschaftler liegt darin, dass sie die Sensoren "geschrumpft" haben - und gleichzeitig kostengünstig produzieren lassen. Bosch rechnete bereits vor dem Zukunftspreis mit einem beträchtlichen wirtschaftlichen Erfolg dieser Idee. In Reutlingen wird im Moment ein neues Halbleiterwerk gebaut, in dem in den kommenden Jahren 800 Arbeitsplätze entstehen sollen. Köhler lobte die Jury-Entscheidung deshalb auch als positives Signal in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Mit dem Deutschen Zukunftspreis ehrt der Bundespräsident jedes Jahr eine Spitzenleistung von Erfindern. Die Auszeichnung wird seit 1997 vergeben. Den Preisträger bestimmt eine Jury aus Wissenschaft und Wirtschaft. Finanziert wird der Preis von Unternehmen und Stiftungen. (nal/dpa)

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