• Bachelor Pferdewissenschaften: Mehr Pferde für Forschung und Lehre der Freien Universität

Bachelor Pferdewissenschaften : Mehr Pferde für Forschung und Lehre der Freien Universität

Ein Pferdezentrum in Bad Saarow soll Forschung und Lehre der Veterinärmedizin der FU auf Trab bringen.

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Pferd guckt über einen Zaun in Bad Saarow
Mit dem Pferd zum Bachelor. Ein neuer Studiengang startet.Foto: Stefanie Neuhauser (FU)

Das Studium ist kein Ponyhof? Vielleicht ja doch. Einen Bachelor in Pferdewissenschaft bietet die Freie Universität (FU) vom kommenden Oktober an. 20 bis 30 Lehrpferde, vor allem die blonden, rundlichen Haflinger, stehen für die Studienanfänger schon bereit, ebenso wie ein moderner Seminarraum für die Theorie. Der Studienplan sieht Module in „Reproduktion“, „Rechtsgrundlagen“ oder zur „Mensch-Pferd-Beziehung“ vor. Die Absolventen sollen in Gestüten, bei Zuchtverbänden, Fachzeitschriften oder im Sportmanagement arbeiten können. Studiert wird dort, wo andere Entspannung suchen: im brandenburgischen Bad Saarow. Hier weiht die FU am heutigen Donnerstag ihr neues Pferdezentrum ein.

„Unglaublich fantastische Bedingungen“ sieht Leo Brunnberg dort für Forschung und Lehre. Brunnberg ist als Professor für Veterinärmedizin auf Kleintiere spezialisiert. Aber in seiner Zeit als Dekan des Fachbereichs für Veterinärmedizin suchte er nach Wegen aus der Enge der Verhältnisse in Düppel, wo die FU bislang ihre Lehre und Forschung am Pferd betrieb. Das neue Zentrum besteht aus einer Reithalle, fünf Hektar Graskoppeln, Büro-, Labor- und Untersuchungsräumen. Der FU gehört die große Anlage natürlich nicht, sagt Brunnberg, auch die Forschungspferde gehörten ihr nicht, die Uni habe kostenneutral zu arbeiten.

Möglich war die Expansion nach Bad Saarow nur durch die Besitzer der Anlage, Ulrike Haselsteiner und ihren Mann Hans-Peter Haselsteiner, der Generalbevollmächtigter des Bauunternehmens Strabag ist. Brunnberg gelang es, das Ehepaar für seine Pläne gewinnen. Mit Forschern der Unis Zürich, Wien und Hannover hatten die Haselsteiners bereits kooperiert. Auch die in Reiterkreisen als „Pferdeflüsterin“ bekannte Andrea Kutsch war mit ihrer Akademie bereits dabei. Ulrike Haselsteiner, die sich für den gewaltfreien Umgang mit Pferden engagiert, stellte der FU eine Bedingung: Nicht nur die Studierenden der Veterinärmedizin sollten die Pferde nutzen dürfen, sondern es sollte auch einen neuen pferdewissenschaftlichen Studiengang geben, in dem Gewaltfreiheit beim Umgang mit Pferden vermittelt wird, erzählt Brunnberg. Dass dieser Ansatz unterrichtet werde, sei ein bundesweites Spezifikum des Studiengangs.

Die FU-Mitarbeiter bieten an dem neuen Zentrum Serviceleistungen für Pferdebesitzer an, von der Grunderziehung von Fohlen über „Verladetraining“ bis zum „Problempferdetraining“. Für die Forschung von besonderer Bedeutung ist laut Brunnberg aber die Reproduktionsmedizin. Sie umfasst die Geburtshilfe und die Intensivbetreuung kranker Fohlen wie den Embryonentransfer und die Samengewinnung und Besamung. In Bad Saarow können die Wissenschaftler dabei auf die Zuchthengste Vulkato und Quadroneur II zurückgreifen, deren bei minus 196 Grad gekühlten Samen die Besitzer verkaufen, in die USA oder in die arabische Welt. Brunnberg erhofft sich durch den leichteren Zugang zum Pferd für die FU nun einen deutlichen Schub für die Pferdeforschung bundesweit.

Noch bis zum 15. Juli sind Bewerbungen für die 30 Studienplätze im neuen Bachelor Pferdewissenschaft der FU möglich

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