Bafög-Rückgang : Weniger Geld für weniger Studierende und Schüler

Vor der großen Bafög-Reform 2016 gibt es aktuell weniger Geförderte, die Ausgaben des Bundes sanken um drei Prozent. Kritik kommt von den Grünen und der Linken, das Studentenwerk fordert regelmäßige Erhöhungen.

Ein Mann betritt am 17.10.2014 ein Gebäude der Wirtschaftswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover.
Bessere Aussichten. Aktuell sind die Bafög-Ausgaben gesunken, ab Herbst 2016 sollen die Sätze aber um sieben Prozent steigen.Foto: Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa

Bevor ab 2016 die Bafög-Reform mehr Geld für mehr Berechtigte bringen soll, sind die Zahlen noch einmal kräftig gesunken. Zum zweiten Mal in Folge wurden 2014 weniger Schüler und Studierende staatlich gefördert – bei seit 2010 praktisch eingefrorenen Bafög-Sätzen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte, erhielten im vergangenen Jahr rund 925 000 junge Menschen Geld nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög), 3,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Etwa 647 000 Bafög-Bezieher studierten, 278 000 gingen zur Schule. Der Rückgang im Vergleich zu 2013 war bei den Schülern (minus fünf Prozent) stärker als bei den Studierenden (minus 2,9 Prozent). 2013 hatte das Minus bei den Bafög-Empfängern im Vergleich zum Vorjahr 2,1 Prozent betragen. Der Höchststand der staatlichen Förderung war nach der Wiedervereinigung 2012 mit rund 979 000 Beziehern erreicht worden.

Den maximalen Betrag von 670 Euro erhielten 46 Prozent der Studenten und Schüler. Ein Schüler bezog im Durchschnitt 418 Euro im Monat (plus acht Euro), ein Student 448 Euro (plus zwei Euro). Die Bafög-Sätze waren zuletzt 2010 um fünf Prozent angehoben und dann von der damaligen schwarz-gelben Koalition eingefroren worden. Aktuell sanken die Bafög-Ausgaben des Bundes im Jahresvergleich um drei Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro.

Grüne kritisieren Wanka: Studienförderung permanent verringert

Der Hochschulexperte der Grünen im Bundestag, Kai Gehring, kritisierte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU): „Jede Bundesbildungsministerin müsste alarmieren, dass Lebenshaltungskosten gerade in Universitätsstädten steigen, während die Studienförderung sich permanent verringert.“ Für Wanka zeigt die neue Statistik, „dass wir mit der Bafög-Novelle den richtigen Weg einschlagen“. Die Erhöhung ab Herbst 2016 soll bei sieben Prozent liegen. Damit werden rund 110 000 Studierende und Schüler zusätzlich Bafög erhalten, schätzt Wankas Ministerium. Die hochschulpolitische Sprecherin der Linken, Nicole Gohlke, erklärte, es sei ein Fehler gewesen, „mit der Bafög-Reform so lange zu warten, bis immer mehr Studierende aus der Förderung herausfallen“.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) forderte den Bund zu einer verlässlichen Erhöhung der Fördersätze auf. Diese müssten „regelmäßig und dynamisch an die Entwicklung von Preisen und Einkommen angepasst werden“, sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

Was sich schon ab dem 1. August ändert

Im ersten Schritt der Bafög-Reform gibt es schon ab dem 1. August dieses Jahres einige Änderungen: Abschlagszahlungen werden auf bis zu 80 Prozent der zu erwartenden Unterstützung angehoben, wenn das Bafög-Amt über den Erstantrag erst spät entscheiden kann. Zudem gibt es die Förderung nun auch für Master-Studierende, die erst vorläufig zugelassen sind. Leistungsnachweise müssen ab dem fünften Fachsemester und nicht mehr – wie bisher in Ausnahmefällen – schon nach dem dritten Semester vorgelegt werden. (dpa/Tsp)

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