"Bahnbrechende Entdeckungen" : Nobelpreis für US-Chemiker Lefkowitz und Kobilka

10.10.2012 13:34 Uhr
Robert Lefkowitz und Brian Kobilka sind die neuen Nobelpreisträger für Chemie. Foto: AFP
Robert Lefkowitz und Brian Kobilka sind die neuen Nobelpreisträger für Chemie. - Foto: AFP

Update Zwei Amerikaner erhalten den Nobelpreis in Chemie, das gab die Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt: Robert Lefkowitz und Brian Kobilka sind die Preisträger. Sie werden für bahnbrechende Entdeckungen von Strukturen der Zellwand geehrt.

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an Robert Lefkowitz und Brian Kobilka aus den USA. Sie erhalten den Preis für die Entdeckung von Strukturen in der Zellwand, die wichtige Signale von außen in die Zelle leiten. Die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften erklärte am Mittwoch in Stockholm, die beiden Preisträger hätten bahnbrechende Entdeckungen gemacht und die Arbeitsweise von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren enthüllt. Etwa die Hälfte aller Medikamente richten sich an diese Rezeptoren. Ihre Erforschung unterstützt daher die Entwicklung besserer Medikamente.

Lefkowitz forscht am Howard Hughes Medical Institute und an der Duke University in Durham.

Koblika ist Professor an der Universität Stanford in Kalifornien. Zum Hintergrund der Auszeichnung erklärte das Nobelkomitee, lange Zeit sei unklar gewesen, wie Zellen ihre Umwelt wahrnehmen könnten. Wissenschaftler wussten, dass Hormone wie Adrenalin starke Auswirkungen auf den Körper haben: Sie erhöhen den Blutdruck und lassen das Herz schneller schlagen. Vermutet wurde, dass die Zelloberfläche mit einer Art Empfänger für Hormone ausgestattet ist. Woraus diese Rezeptoren allerdings bestehen und wie sie arbeiten, blieb über weite Teile des 20. Jahrhunderts unklar.

Das Nobelpreiskomitee erklärte am Mittwoch, Lefkowitz habe 1968 Radioaktivität eingesetzt, um die Zellrezeptoren aufzuspüren. Er entdeckte tatsächlich mehrere Rezeptoren, darunter den für Adrenalin, den ß-Adrenozeptor. Gemeinsam mit seinem Team konnte Lefkowitz den Rezeptor extrahieren und gelangte zu einem grundlegenden Verständnis seiner Funktionsweise.

Der nächste wichtige Schritt erfolgte nach Angaben des Nobelkomitees in den 80er-Jahren. Der neu zum Team gestoßene Koblika isolierte das Gen des ß-Adrenozeptors. Bei der Analyse entdeckten die Forscher, dass der Rezeptor dem ähnelt, der im Auge Licht empfängt. Sie kamen zu dem Schluss, dass es eine ganze Familie von Rezeptoren gibt, die gleich aussehen und arbeiten. Diese Familie wird heute als G-Protein-gekoppelte Rezeptoren bezeichnet.

Der Amerikaner Brian Kobilka (57) hat in seiner vergleichsweise kurzen Forscherkarriere schon zahlreiche Auszeichnungen bekommen. Doch die Nachricht vom Nobelpreis in Chemie kam für ihn „wie ein Donnerschlag“, wie er sagte. „Ich versuche mich die ganze Zeit zu überzeugen, dass ich nicht träume“, erklärte der Medizinprofessor von der Stanford-Universität in Palo Alto.

Er habe ganz fest geschlafen, als die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm ihn und seine Frau am Mittwoch gegen 0230 Uhr kalifornischer Zeit aus dem Bett klingelte. „Seitdem kommt ein Anruf nach dem anderen. Ich bin am Haustelefon, meine Frau nimmt die Gespräche auf dem Handy an.“

Aufgrund der Wirtschaftskrise ist jeder der renommierten Preise dieses Jahr mit acht statt mit zehn Millionen schwedischen Kronen dotiert. Umgerechnet knapp 930.000 Euro dürfen aber wohl noch immer als ansehnliches Preisgeld gelten - und auch für potentielle Preisträger dürfte die Frage der Dotierung verhältnismäßig unwichtig sein. „Für die Bedeutung des Preises ist die Kürzung völlig egal“, meint Anders Bárány, Ex-Sekretär der Physik-Jury und ein sehr guter Kenner der über hundertjährigen Nobel-Geschichte. „Wenn man frische Preisträger fragen würde, ob sie zum Draufzahlen bereit wären, würden alle den Nobelpreis immer noch begeistert annehmen“, sagt der Schwede.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. (dpa)

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