Banken : Finanzkrise beschert billigere Studienkredite

Bisher hatten Studierende, die einen der in den vergangenen Jahren eingeführten Studienkredite aufgenommen hatten, wenig Glück: Bei vielen Banken wurden die Darlehen kontinuierlich teurer. Doch derzeit kehrt sich der Trend um.

Tilmann Warnecke

Studierende profitieren ausgerechnet von der Finanzkrise. „Die Finanzkrise führt häufig zu deutlich gesunkenen Zinssätzen“, lautet das Fazit eines neuen Studienkredite-Tests des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). So fiel der Zinssatz des Studienkredits der staatlichen KfW-Bankengruppe binnen eines Jahres um zwei Prozent auf jetzt 4,34 Prozent.

Grund für diese Entwicklung ist, dass sich die KfW – wie andere Banken auch – bei den Zinssätzen für die Studiendarlehen an der allgemeinen Zinsentwicklung orientiert. Diese zeigt in letzter Zeit nach unten: Die Europäische Zentralbank hat die Sätze mehrmals gesenkt, damit sich die in die Krise geratenen Banken wieder gegenseitig Geld leihen. Das kommt auch Privatkunden zugute, die einen Kredit aufgenommen haben: Sie müssen gleichfalls weniger Geld dafür zahlen. Von der Senkung profitieren nicht nur Studierende, die einen Kredit neu aufnehmen. Sie gilt auch für die Studenten, die in den letzten Semestern einen Vertrag abschlossen.

Neben dem KfW-Kredit sind vor allem die Darlehen günstiger geworden, die mehrere Landesbanken vergeben, damit Studierende ihre Studiengebühren zahlen können. So ist der Zins des Studiengebührenkredits in Bayern von sechs auf 2,7 Prozent gesunken, der in Niedersachsen von 5,8 auf 3,6 Prozent. Ihre Zinsen auf dem alten Stand belassen haben dagegen einige große, bundesweit operierende Privatinstitute wie die Deutsche Bank oder die Dresdner Bank.

Trotz sinkender Zinsen können die Banken keine große Zahl von neuen studentischen Kunden gewinnen. Im Gegenteil: „Die neu in Anspruch genommenen Darlehen sind rückläufig“, heißt es. 60 000 Studierende nahmen 2008 neu einen Kredit auf, nach 110 000 im Vorjahr. Ein Drittel entschied sich für den „Bildungskredit“ des Bundesverwaltungsamtes, der normalerweise in den letzten zwei Jahren des Studiums als Abschlussförderung gewährt wird und bei dem Studierende in der Regel weniger Geld aufnehmen als bei anderen Programmen. Den Rückgang der Kreditnehmer erklärt das CHE damit, dass Hessen die Studiengebühren im letzten Jahr ganz abschaffte und Hamburg die Gebühren jetzt erst nach dem Abschluss nimmt. 

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