Begehrtes Studium : Mehr Schüler zieht es an die Uni

Gymnasiasten lassen sich bislang offenbar nicht durch die Aussicht auf knappe Studienplätze und überfüllte Hörsäle abschrecken: Im Abschlussjahrgang 2010 wollten 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler „sicher oder wahrscheinlich“ studieren, heißt es in einer Umfrage.

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Wegweiser. Abiturienten, die am NC gescheitert sind, stehen noch viele Wege zum Studienplatz offen.
Wegweiser. Abiturienten, die am NC gescheitert sind, stehen noch viele Wege zum Studienplatz offen.Foto: dpa

Das sind vier Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Nimmt man diejenigen hinzu, die „eventuell“ studieren wollen oder noch „unsicher“ sind, steigt die Quote der möglichen Studierenden auf 77 Prozent, fünf Prozent mehr als 2008. Besonders beliebt sind wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge und Lehramtsstudiengänge. Vom HIS-Institut für Hochschulforschung wurden 30 000 Schüler im Dezember 2009 ein halbes Jahr vor ihrem Schulabschluss befragt.

Allerdings ist die Zahl der zum Studium Entschlossenen noch nicht wieder auf dem Höchststand der vergangenen Jahre: 2006 wollten noch 63 Prozent „sicher oder wahrscheinlich“ studieren, im Jahr 2008 war dieser Anteil dann auf 51 Prozent abgestürzt.

Nach der Umfrage von Ende 2009 verunsichern Schüler vor allem die schwer überschaubare Zahl der Möglichkeiten, die schwer absehbare Situation auf dem Arbeitsmarkt, Unklarheit über ihre Fähigkeiten, Zulassungsbeschränkungen im angestrebten Studienfach und die Finanzierung von Studium oder Ausbildung. Junge Frauen fürchten die erwarteten Studienkosten stärker und trauen sich ein Studium trotz guter Noten seltener zu.

Gestiegen ist die Studierneigung auch bei Schülern aus Nicht-Akademikerhaushalten: Sicher oder wahrscheinlich studieren wollen 48 Prozent des Abiturjahrgangs 2010, zwei Jahre zuvor waren es 43 Prozent, 2006 aber noch 55 Prozent. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wertete den wieder gestiegenen Anteil am Montag als „ermutigendes Signal gegen den Fachkräftemangel“.

Mit der Erhöhung der Mittel im Hochschulpakt gäben Bund und Länder den Hochschulen Planungssicherheit, auch bei steigender Nachfrage die nötigen Studienplätze zu schaffen, erklärte Schavan. Dem widerspricht Kai Gehring, bildungs- und hochschulpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Angesichts des enormen Studentenansturms und chaotischer Verhältnisse bei der Zulassung reichten die Mittel aus dem Hochschulpakt nicht aus, Planungssicherheit sei nicht gegeben. „Die Ministerin feiert alte Zahlen, während Studienberechtigte und Hochschulen voller Sorge auf das Wintersemester blicken“, sagte Gehring.

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