Wissen : Beliebtes Ausland Ministerium rechnet mit mehr Austauschstudenten

Blickt man nur auf die absoluten Zahlen, dann ist die Internationalisierung des Studiums eine Erfolgsgeschichte. Im Jahr 2005 machten laut der aktuellen Sozialerhebung des Studentenwerkes fast 80 000 Studierende einen Abstecher ins Ausland, 25 000 mehr als noch im Jahr 2000. In den nächsten fünf Jahren will das Bundesbildungsministerium die Zahl weiter steigern – auf 100 000 deutsche Austauschstudierende, wie Staatssekretär Andreas Storm gestern in Berlin sagte.

Deutschland liege damit deutlich vor vergleichbaren Ländern wie Frankreich und den USA. Umgekehrt steigt laut den Studentenwerkszahlen auch die Anzahl ausländischer Studierender in Deutschland kontinuierlich und hat sich von 1997 bis 2007 auf zuletzt rund 190 000 fast verdoppelt, rund 77 Prozent kommen aus Entwicklungs- und Schwellenländern.

Ein Blick auf die Details zeigt aber, wie sehr die Mobilität in beiden Fällen an den sozialen Hintergrund der Studierenden gekoppelt ist. Derzeit gehen deutsche Studierende eher ins Ausland, wenn sie aus besseren sozialen Verhältnissen stammen. Als „wichtigen Schritt“ für sozial schlechter gestellte Studierende wertete Rolf Dobischat, der Präsident des Deutschen Studentenwerkes, dass inzwischen für ein Auslandsstudium vom ersten Semester an Bafög bezahlt werden kann.

Sorge bereitet ihm aber mit Blick aufs Auslandsstudium die Einführung von Bachelor und Master: „Die Studierende werden sich jetzt noch stärker daran orientieren, ihr Studium schnell und vor allem sehr gut abzuschließen. Auf der Strecke bleiben könnte dann der Auslandsaufenthalt“. Studien deuteten darauf hin, dass die Studierenden bei Diplom und Magister eher spät den Gang ins Ausland wagen – bis zum Abschluss dann aber deutlich öfter als ihre Kommilitonen in den Bachelor-Studiengängen.

Den Bachelor als Bremse fürs Auslandsstudium – eine solche Entwicklung würde man auch im Bildungsministerium nur ungern sehen. Deshalb empfiehlt Storm, dem Auslandsaufenthalt Priorität zu geben: „Wo das innerhalb von drei Jahren nicht möglich ist, sollte man auch um die Verlängerung des Curriculums um ein halbes Jahr nachdenken.“ Für die ausländischen Studierenden in Deutschland könnte die Einführung von Studiengebühren zu einer Hürde werden. Sie müssen im Durchschnitt mit weniger Einkommen auskommen als ihre deutschen Kommilitonen. Für 62 Prozent der Gaststudierenden war das kostenfreie Studium ein Grund, nach Deutschland zu kommen. siw

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