Berliner Abgeordnete : Fremdeln mit der Wissenschaft

Ob neue Senatorin oder Opposition: Die Berliner Politiker, die jetzt für die Wissenschaft de Stadt zuständig sind, müssen sich erst eingewöhnen. Das zeigt die erste Ausschusssitzung im Abgeordnetenhaus.

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Der Pirat Martin Delius fasst die erste Sitzung des Wissenschaftsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus twitternd wie folgt zusammen: „Frau Scheeres so: NC gesichert. Lehre geht gut. Wissenschaft und Forschung müssen nicht zusammen. #wissa# weltfremd“. Ob der „wissa“ (Wissenschaftsausschuss) wirklich „weltfremd“ ist, muss sich indes noch zeigen. Fest steht allerdings schon, dass die meisten Abgeordneten in der Wissenschaftspolitik fremd sind, nachdem die Wahl das Personal neu gemischt hat.

Weil Nicolas Zimmer Staatssekretär bei Forschungssenatorin von Obernitz geworden ist, wurde nun der Parlamentsneuling Hans-Christian Hausmann, ein promovierter Rechtsanwalt mit Lehrauftrag an einer Hochschule, wissenschaftspolitischer Sprecher der CDU. Für die Grünen sitzt neuerdings der bei der Parteilinken in Ungnade gefallene Volker Ratzmann im Ausschuss. Die SPD übernimmt wieder den Vorsitz des Gremiums. Aber da die bisherige Vorsitzende Annette Fugmann-Heesing den Sprung ins Parlament verpasste, nimmt ihren Platz nun Robert Schaddach ein, der PR-Chef der Brauerei Berliner Bürgerbräu. Er hat zwar Parlamentserfahrung, wissenschaftspolitisch profiliert ist er aber nicht.

Scheeres' Ahnenreihe
„Unter einem vom Kaliber Jürgen Zöllners kann Berlin es nicht machen“ – so klingt es aus Wissenschaftskreisen, seit bekannt ist, dass die neue Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) heißt. In der Geschichte des Berliner Senats gab es allerdings schon häufiger Senatoren, die nicht als Stars angetreten waren und doch gute Arbeit geleistet haben. Und unter jenen, die als Hoffnungsträger antraten, erfüllten manche die hohen Erwartungen nicht.Weitere Bilder anzeigen
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02.12.2011 12:08„Unter einem vom Kaliber Jürgen Zöllners kann Berlin es nicht machen“ – so klingt es aus Wissenschaftskreisen, seit bekannt ist,...

Der Parlamentsneuling Martin Delius von den Piraten bringt immerhin frische Erinnerungen an sein gerade erst hinter ihm liegendes Physik-Studium an der TU Berlin mit, in dem er sich auch hochschulpolitisch betätigte. Gleichwohl eröffnete der Pirat die Aktuelle Viertelstunde nur mit einer Vermutung. Er habe den Eindruck, die Post-Doktoranden in Berlin müssten „immer mehr“ lehren, mehr noch als die Juniorprofessoren. Wie das die Wissenschaftssenatorin bewerte? Sandra Scheeres antwortete, die Juniorprofessur sei ein Erfolg. Staatssekretär Knut Nevermann ergänzte, Forschung und Lehre gehörten immer zusammen. Die Universitäten müssten selbst entscheiden, ob sie von der neuen Möglichkeit im Berliner Hochschulgesetz Gebrauch machen wollten, Dozenten mit Schwerpunkt Lehre einzustellen.

Danach ging der Ausschuss zu dem einzigen Thema über, das er sich für die Sitzung vorgenommen hatte: dem Ressortzuschnitt des Berliner Senats, der Wissenschaft von Forschung trennt. „Wollen Sie sich bei jeder GWK-Sitzung ein Doppelzimmer mit Frau von Obernitz nehmen?“ fragte Wolfgang Albers (Linke) die Wissenschaftssenatorin Scheeres. „Sie werden eine Schere im Kopf haben, weil Sie Forschung und Wissenschaft nicht mehr im eigenen Kopf denken können.“ Scheeres erklärte, in Haushaltsverhandlungen könnten Wissenschaft und Forschung auch profitieren, wenn sich gleich zwei Senatorinnen für sie engagierten.

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