Berliner Biodiversitäts-Zentrum : Antrag knapp gescheitert

Das Projekt eines Berliner Zentrums für Artenvielfalt wurde von den DFG-Gutachtern als exzellent bewertet. Doch die Konkurrenz aus Leipzig, Jena und Halle war ebenso gut - und erhielt den Zuschlag. Jetzt suchen die Forscher aus Berlin und Brandenburg nach einem Plan B.

Amory Burchard/Anja Kühne

Im Institut für Biologie der Freien Universität Berlin (FU) herrscht Katerstimmung. Wie berichtet ist Berlin in der Konkurrenz um ein Zentrum der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit dem Thema Artenvielfalt den Unis in Leipzig, Jena und Halle knapp unterlegen. Obwohl dem Berliner Antrag wissenschaftliche Exzellenz bescheinigt wurde und die Hälfte der Fachgutachter ihn favorisierte, bekamen die ostdeutschen Unis am Freitag in Bonn den Zuschlag und können in vier Jahren 33 Millionen Euro ausgeben.

Für den federführenden Berliner Biologen Matthias Rillig ist das Aus für sein Projekt „eine große Enttäuschung“. „Berlin hat deutschlandweit einmalige Bedingungen zu bieten“, sagt Rillig. Falls nicht eine alternative Finanzierung für das Biodiversitätszentrum etwa durch das Bundesforschungsministerium gelingt, könnte ein großes Potenzial brachliegen: An dem Antrag beteiligt waren neben der FU auch die Humboldt-Universität und die TU sowie die wissenschaftlichen Sammlungen des zur FU gehörenden Botanischen Gartens und des Naturkundemuseums mit seinem Schwerpunkt Biodiversität. Kooperieren wollten die Wissenschaftler auch mit der Universität Potsdam und einer Reihe von Leibniz-Instituten, darunter denen für Gewässerökologie und für Wildtierforschung.

Ist der Berliner Antrag daran gescheitert, dass sich bei der entscheidenden Sitzung im Hauptausschuss der DFG kein Vertreter des Senats dafür eingesetzt hat? Dieser Vorwurf war wie berichtet aus dem Umkreis der DFG zu hören. Biologe Rillig sagt, er sei „überrascht“, dass nur ein Abteilungsleiter aus dem Brandenburger Wissenschaftsministerium in Bonn war. Bei der Begutachtung der Vorhaben im Januar in Eisenach war der Berliner Senat noch durch Jutta Koch-Unterseher, Abteilungsleiterin Forschung in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung, vertreten worden. „Sie war äußert engagiert, hatte große Fachkenntnis“, sagt Rillig.

Auf Anfrage erklärte ein Sprecher, die Zuständigkeit für die DFG sei inzwischen mit dem Geschäftsverteilungsplan auf die Senatsverwaltung für Wissenschaft übertragen worden. Insofern habe es kein Abstimmungsproblem zwischen den Bereichen Forschung und Wissenschaft gegeben, die im Berliner Senat nach den Wahlen getrennt worden waren. Kann Senatorin Sandra Scheeres an DFG-Sitzungen nicht teilnehmen, vertritt sie Staatssekretär Knut Nevermann. Ist dieser auch verhindert, kann die Verwaltung nicht einfach jemand anderen schicken, etwa einen Abteilungsleiter, sondern muss sich von einem anderen Land vertreten lassen. So war es am Freitag im Hauptausschuss. Denn Nevermann war in die Haushaltsberatungen des Berliner Senats involviert.

Am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss erklärte Nevermann, es ehre ihn zwar, dass man ihm offenbar zugetraut hätte, das Blatt zugunsten von Berlin zu wenden. Allerdings müsse Berlin sich damit abfinden, dass in das „wissenschaftsgeleitete Verfahren“ auch manchmal „regionale Aspekte“ einbezogen werden. Berlin sei in der Vergangenheit von der DFG „relativ gut“ behandelt worden, was sich in der Exzellenzentscheidung in sechs Wochen hoffentlich fortsetzen werde. Dem Vernehmen nach hat kein anderes Bundesland im Haushaltsausschuss dem Berliner Antrag zugestimmt. Schon die wissenschaftlichen Mitglieder im DFG-Senat hätten sich angesichts der geteilten Meinung der Fachgutachter für das Projekt der ostdeutschen Unis entschieden, um regionale Ausgewogenheit zu schaffen. Die Berliner Forscher suchen jetzt nach einem Plan B.

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