Berliner Hochschulen : Das ungeliebte „F“ ist weg

Mit den Unis auf Augenhöhe: Berlins Fachhochschulen heißen jetzt Hochschulen.

Amory Burchard

Fünf Schnitte, und das ungeliebte „F“ ist weg. Berlins Fachhochschulpräsidenten zerlegten am Montag gemeinsam einen F-förmigen Kirsch-Streuselkuchen und vollzogen damit symbolisch die Umbenennung der FHs in „Hochschulen“.

Am 1. April wird offiziell, was das Abgeordnetenhaus 2008 beschlossen hat: Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft heißt künftig „Hochschule für Technik und Wirtschaft“, die Technische Fachhochschule nennt sich „Beuth Hochschule für Technik Berlin“ – nach dem Vater der Ingenieursausbildung Christian Peter Wilhelm Beuth. Die Fachhochschule für Wirtschaft und die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege fusionieren zur „Hochschule für Wirtschaft und Recht“.

Die Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik nennt sich schon länger „Alice Salomon Hochschule“. Über den offiziellen Namen, den der Senat ins geänderte Gesetz geschrieben hat, ärgert sich Präsidentin Christine Labonté-Roset: „,Alice Salomon‘ – Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin“ werde dem breiten Fächerspektrum, in dem etwa auch Gesundheitsberufe vertreten sind, nicht gerecht. Im Briefkopf tauchen die Zusätze denn auch nicht auf. Die Streichung des „F“ im Kürzel feiert die Hochschule mit einer eigens bedruckten Wasserflasche: Aus dem Etikett ist der Buchstabe aus ASFH herausgepult – stehen bleibt ASH (siehe Bild). Die neue Beuth-Hochschule wirbt mit einem Einkaufs-„Beuthel“, auf dem das Konterfei des Namensgebers zu sehen ist.

Für die Namensänderungen spreche, dass neun Bundesländer diesen Schritt bereits vollzogen haben, sagte der Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Michael Heine. Zudem seien Bachelor- und Masterabschlüsse von FHs gleichrangig mit denen von Universitäten. Anerkannt werde nun auch, dass an FHs intensiv geforscht werde und es viele internationale Kooperationen in Forschung und Lehre gebe.

Der Wettbewerbsfähigkeit im Ausland habe das Etikett „Fachhochschule“ geschadet, sagte Franz Herbert Rieger, Rektor der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR). Partner hätten fälschlicherweise angenommen, FHs würden in erster Linie berufsbildende Studiengänge anbieten. Irreführend sei aber auch der verbreitete englische Namenszusatz „University of Applied Sciences“ (Hochschule für angewandte Wissenschaften). Im anglo-amerikanischen Raum steht sciences für Naturwissenschaften, die aber von kaum einer (Fach)-Hochschule angeboten werden. Deshalb nenne sich die HWR „Berlin School of Economics and Law“. Wenn die HWR im Herbst einen neuen Präsidenten wählt, trete er wahrscheinlich nicht noch einmal an, sagte Rieger. Die Kandidatensuche gestalte sich aber schwer.

Bei aller Annäherung an den Status von Universitäten – das Promotionsrecht beanspruchten die Hochschulen nicht, betonte der Präsident der Beuth-Hochschule, Reinhard Thümer. Er drängte aber darauf, dass die Unis Master-Absolventen der Hochschulen eine kooperative Promotion mit einem Uni-Professor als Betreuer ermöglichen – ohne weitere Vorbedingungen. Amory Burchard

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