Berliner Hochschulen : Superuni light

Unis präsentieren Alternative zu Zöllners Plänen

Uwe Schlicht

Die drei großen Berliner Universitäten haben eine Alternative zu den Superuni-Plänen von Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) präsentiert. Sie wollen eine Stiftung, die zur Förderung exzellenter Wissenschaftsbereiche Geld sammelt und dieses dann an die Universitäten und die Forschungseinrichtungen für herausragende Forschungsvorhaben verteilt. Anders als von Zöllner vorgesehen, soll es sich bei der Stiftung nicht um eine eigenständige Institution handeln. Die Pläne stellten die Uni-Präsidenten gestern im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vor.

Zwar hatte auch Zöllner vorgeschlagen, zur Finanzierung der Superuni eine Stiftung zu gründen. Diese Anregung nehmen die Unis nun auf, in der Stiftung sollen die vier Unipräsidenten und die Präsidenten der bedeutendsten Forschungsorganisationen in Berlin vertreten sein. Die Universitäten wollen die Bedingungen für eine solche Stiftung aber in einer Weise bestimmen, dass sie ihre Autonomie auf keinen Fall an eine neue „Superuniversität“ abgeben. Dieter Lenzen, der Präsident der Freien Universität, verdeutlichte, die Stiftung sei nicht als neue Institution zu verstehen, sondern nur als Organisation für das Einsammeln und Verteilen von Geld.

TU-Präsident Kurt Kutzler sagte, die Stiftung solle für mehrere Bereiche Geld einwerben: Graduiertenschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, Forschungscluster, internationale Masterstudiengänge und die Gewinnung ausländischer Spitzenwissenschaftler. Das Promotionsrecht und die Graduierung der Masterstudenten bleiben bei den Universitäten – Zöllner will beides eigentlich der neuen Einrichtung übertragen. Die Universitäten schlagen nun vor, die besondere Exzellenz der Promotion und der Graduierung könne in einer Urkunde bescheinigt werden, in der die beteiligten Forschungsinstitute aufgeführt werden.

Die Stiftung wird von einem Vorstand geleitet und soll einen Stiftungsrat und einen Beirat erhalten. Im Stiftungsrat können neben den Universitäten und Forschungsinstituten auch der Wissenschaftssenator und solche Persönlichkeiten vertreten sein, die Geld einwerben und über Finanzzuweisungen entscheiden. Im Beirat wirken hochrangige Wissenschaftler mit, die fachlich beurteilen, welcher Forschungsantrag jetzt oder in naher Zukunft auf den Weg gebracht werden muss oder welches Projekt eingestellt werden soll.

Kutzler begründete diese neue Kooperationsform damit, dass sich im Exzellenzwettbewerb die Projekte durchgesetzt hätten, in denen die Berliner Universitäten untereinander und mit den Forschungsinstituten zusammengearbeitet haben. Die Unis hätten sechs weitere Felder der Exzellenz ausfindig gemacht: In der TU geht es um die Informatik und zusammen mit den anderen Universitäten um die Physik. Die FU möchte die Erziehungswissenschaften in eine Spitzenstellung bringen durch Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität und dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Die FU profiliert sich außerdem in den Regionalwissenschaften. Die Humboldt-Universität wird neben den Lebenswissenschaften in ihrem Zukunftskonzept weitere Spitzenbereiche ausweisen.

Die meisten Vertreter der Forschungsorganisationen begrüßten den Vorschlag der drei Universitäten. Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Ernst Theodor Rietschel, erklärte, seine Institution „wird sich mit großem Engagement in solch eine Stiftung einbringen“. Als Vertreter der Fraunhofer-Gesellschaft betonte Georg Rosenfeld, der Vorschlag der Universitäten stelle eine gute Diskussionsgrundlage dar. Wenn Wirtschaftsunternehmen kooperierten, planten sie nicht ein gemeinsames Dach wie eine Superuni, sondern organisierten Netzwerke. Wissenschaftssenator Zöllner zeigte sich zuversichtlich, jetzt ein gemeinsames Konzept vorlegen zu können, und zwar zum Anfang des kommenden Jahres. Von einer Superuniversität habe er nie gesprochen. Uwe Schlicht

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