Berliner Museen : Mehr Geld für die Dinos

Bund und Länder fördern das Berliner Naturkundemuseum. Es herrscht Streit um die nationale Akademie.

Uwe Schlicht
Riesendino
Das Skelett eines Brachiosaurus im Berliner Naturkundemuseum. Es ist über 13 Meter hoch. -Foto: ddp

Das Naturkundemuseum in Berlin ist endlich in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen worden und erhält damit eine gesicherte finanzielle Perspektive, zunächst bis 2015. Für den laufenden Betrieb wird das Naturkundemuseum von 2009 an 6,5 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Für die Sanierung der durch den Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Gebäude sind von 2010 an jährlich 6,5 Millionen Euro vorgesehen. Das gaben die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern gestern nach ihrer Sitzung in Bonn bekannt. Bislang gehörte das Museum zur Humboldt-Universität.

Die Finanzierung der Investitionen ist bis zum Jahr 2015 zugesagt. Danach werden Entscheidungen über neue Investitionen in den zweiten Bauabschnitt des Naturkundemuseums fällig, die dann ganz andere Größenordnungen erfordern – nämlich etwa 30 Millionen Euro. Dieser zweite Bauabschnitt ist dafür vorgesehen, die bisher sehr unzulänglich in kriegsbeschädigten Räumen untergebrachte Vogelsammlung dauerhaft zu sichern und auch wieder dem Publikum zugänglich zu machen. Der erste Bauabschnitt des Naturkundemuseums kostet 28 Millionen Euro, die Finanzierung dafür ist bereits gesichert. Bei diesem ersten Bauabschnitt geht es um die Unterbringung der Sammlung von in Alkohol präparierten Tieren.

Bei der Eröffnung der neu gestalteten Ausstellungsräume des Naturkundemuseums im Sommer hatte Bundesforschungsministerin Annette Schavan angekündigt, dass sie bis zum Ende dieses Jahres eine dauerhafte Lösung für das Naturkundemuseum auf den Weg bringen wolle. Das Naturkundemuseum gehöre zu den fünf bedeutendsten Museen dieser Art weltweit. Die Finanzierung für die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft musste jedoch noch gesichert werden. Den Weg dazu bahnt die Verlagerung des Berliner Elektronenspeicherrings Bessy II in die Helmholtz-Gemeinschaft, durch die 26 Millionen Euro frei werden.

Davon profitieren auch noch weitere Forschungsinstitute und Museen, die jetzt in die Bund-Länder-Förderung der Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen werden. Dazu gehören: das Deutsche Rheumaforschungszentrum (DRFZ) auf dem Charité-Gelände in Berlin, das 5,5 Millionen Euro pro Jahr erhält, die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt am Main, das Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) an der Uni Bremen und das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam (ZZF). Auch die Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen in Dresden und das Staatliche Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG) profitieren jetzt von der Zugehörigkeit zur Leibniz-Gemeinschaft. Sie fusionieren mit dem Forschungsinstitut und Naturmuseum (FIS) Senckenberg in Frankfurt am Main.

Keine Entscheidung traf die BLK über die nationale Akademie. Am Freitag hatte Schavan einseitig verkündet, dass die Leopoldina als älteste Akademie der Naturforscher und Mediziner in Europa die Rolle einer nationalen Akademie in Deutschland übernehmen solle. Schavan hatte diesen Vorstoß nur mit dem Wissenschaftsminister von Sachsen-Anhalt, dem Sitzland der Leopoldina, und dem Präsidenten der KMK, Jürgen Zöllner, abgestimmt. Das Echo auf diesen einseitigen Vorstoß bekam sie in der Bund-Länder-Kommission (BLK) zu spüren. Auf ihrer letzten Sitzung sah sich die BLK nicht in der Lage, zur nationalen Akademie einen Beschluss zu fassen. Die Wissenschaftsministerin von Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen, begründete das damit, es gebe noch „erheblichen Abstimmungsbedarf“ zwischen Bund und Ländern. Das habe Schavan nicht beachtet. Zum einen müssten Organisationsfragen geklärt werden, zum anderen müsse auch gesichert werden, dass andere Akademien in die Außenvertretung einer nationalen Akademie einbezogen werden. Deswegen wird erst im Februar bei der konstituierenden Sitzung der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz, die die Nachfolge der BLK antritt, weiter beraten und womöglich beschlossen.

Schavan hält es nun nicht mehr für sinnvoll, wie von der Union der Akademie vorgeschlagen, ein Konvent mit 200 angesehenen Wissenschaftlern zu gründen oder einen runden Tisch zu bilden. De facto habe die Leopoldina schon die Rolle der nationalen Akademie übernommen, weil sie von bedeutenden Akademien aus aller Welt zur Vorbereitung von wissenschaftlichen Gutachten von G8-Gipfeltreffen der Regierungschefs herangezogen worden ist. Was die Finanzausstattung betrifft, die die Leopoldina für ihre neue Aufgabe erhalten soll, will sich Schavan großzügig zeigen. Die bisher für die nationale Akademie veranschlagten 3,8 Millionen Euro pro Jahr hält sie für zu gering.

Geeinigt haben sich Bund und Länder auch auf ein Förderprogramm für hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen. In den kommenden fünf Jahren stellt der Bund 75 Millionen Euro für 200 zusätzliche Professorinnen-Stellen zur Verfügung, die Ländern steuern anteilig ebenso viel bei. Damit sollen vorrangig so genannte Vorgriffsprofessuren entstehen: Auf Stellen von Hochschullehrern, die kurz vor der Emeritierung stehen, werden Spitzenforscherinnen berufen. Uwe Schlicht

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